Wie unabhängig sollten und können Unternehmensstiftungen sein?

25. März 2010

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat Anfang März in einem Papier zehn Empfehlungen für Unternehmen veröffentlicht, die eine gemeinnützige Stiftung gegründet haben oder planen. In der Praxis zeigt sich aber, dass Unternehmensstiftungen sehr unterschiedlich agieren und z.T. anders als in den Forderungen beschrieben funktionieren.

Unternehmensstiftungen haben sich quantitativ und qualitativ zu einem bedeutenden Teil der Stiftungslandschaft entwickelt. In seinen "Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Unternehmensstiftungen" beschreibt der Bundesverband Deutscher Stiftungen Unternehmensstiftungen als "eines der Instrumente des gesellschaftlichen Engagements" mit denen Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Zu den Forderungen des Papiers zählen u.a. Stiftungen mit reichlich Kapital ausstatten, um sie so von dem stiftenden Unternehmen unabhängig werden lassen, das optische Erscheinungsbild der Stiftung von dem des Unternehmens abzugrenzen sowie die Geschäftsführung der Stiftung nicht mit Personen zu besetzen, die in die Berichtspflichts- und Weisungshierarchie des Unternehmens eingebunden sind.

Mitunter können diese Forderungen aber für Unternehmen, die eine entsprechende Stiftungsgründung planen, eine Hürde sein. In einem Artikel auf csr-news.net erklärt die Geschäftsführerin der Veolia Stiftung Sylke Freudenthal, dass sie die Empfehlungen zwar grundsätzlich für richtig hält, die Forderungen aber auch in einigen Punkten abschreckend wirken können und nicht die erfolgreiche Praxis aller Unternehmensstiftungen widerspiegeln.

So hat die Veolia-Gruppe in Deutschland ihre Stiftung "nur" mit einem vergleichsweise kleinen Kapitalstock von 100.000 € ausgestattet und trägt die Stiftungsarbeit durch langfristige vereinbarte laufende Zuwendungen. Das Ergebnis dieses Modells kann sich sehen lassen: In den zurückliegenden zehn Jahren wurden über 260 Projekte zur Schaffung oder zum Erhalt von Arbeitsplätzen, zum Erhalt der Umwelt und zur Umweltbildung sowie zur sozialen Integration benachteiligter Menschen mit einem Volumen von mehr als 2.000.000 € unterstützt.

Auch eine zwingende Trennung der operativen Stiftungsgeschäftsführung von der Weisungshierarchie des Unternehmens ist für Sylke Freudenthal kein Muss. Als Geschäftsführerin der Veolia Stiftung, die zugleich in die Unternehmensstrukturen integriert ist, sieht sie darin sogar Nachteile: "Nicht umsonst bezeichnet man Menschen in dieser Funktion als Grenzgänger. Sie sind in der Unternehmenswelt und im gemeinnützigen Sektor gleichermaßen unterwegs, schlagen Brücken zwischen beiden Bereichen." Ihr Handlungsspielraum werde dadurch nicht eingeengt und die Unabhängigkeit der Stiftung zudem durch einen mehrheitlich extern besetzten Stiftungsvorstand gesichert, so Sylke Freudenthal.

Ganz bewusst orientiert sich das Erscheinungsbild der Veolia Stiftung zudem an dem des Unternehmens und Unternehmensmitarbeiter werden gezielt in die Projekte der Stiftung eingebunden - jedes Förderprojekt wird von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin der Veolia Gruppe in eine Patenschaft übernommen. "Unternehmensstiftungen sind ein Teil des CSR-Konzepts von Unternehmen. Schon deshalb muss es gelingen, dass beide - Unternehmen und Stiftung - voneinander profitieren", erläutert Sylke Freudenthal.