Ausgezeichnet? Der Deutsche Kulturförderpreis als Beispiel für eine neue Form der Wertschätzung unternehmerischen Kulturengagements

28. September 2010

Diplomarbeit am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Lena Ehinger, 2008.

Abstract
Unternehmerische Kulturförderung ist eine Form der Kulturfinanzierung in Deutschland, deren Bedeutung wächst. Dafür gibt es Gründe, wie beispielsweise die immer größere Deckungslücke in der Kulturfinanzierung oder den Erweiterten Kulturbegriff, der das Zusammenwirken unterschiedlicher Gesellschaftsbereiche fokussiert.

Die Partnerschaft zwischen Kultur und Wirtschaft unterliegt trotz ihrer Potentiale einer negativen gesellschaftlichen Wahrnehmung. Unter der Annahme, dass diese Wahrnehmung wandlungsfähig ist, richtet sich der Blick der Untersuchung auf einen möglichen Indikator der wachsenden Anerkennung: Die Auszeichnung unternehmerischer Kulturförderung.

Seit etwa zehn Jahren gibt es Auszeichnungen für das kulturelle Engagement von Wirtschaftsunternehmen. Was mit dem Wettbewerb zwischen professionellem Kultursponsoring begann, wurde durch Preise, als Teil von Marketing-Kampagnen, und letztendlich durch die Anerkennung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen ergänzt. Zu diesem Zweck lobt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI sowie seine Partner Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt seit 2006 den Deutschen Kulturförderpreis aus.

Anhand der Merkmale des Deutschen Kulturförderpreises wird in dieser Arbeit die Wahrnehmung unternehmerischer Kulturförderung untersucht und wie folgt zusammengefasst: Die aktuelle Diskussion um Corporate Social Responsibility hat die Aufmerksamkeit auch auf das kulturelle Engagement der Unternehmen gelenkt. Innerhalb des Unternehmens erfährt die Kulturförderung verstärkt eine strategische und inhaltliche Ausrichtung. Außerhalb des Unternehmens hat sich dessen Bild als Corporate Citizen, also als Bürger unter Bürgern, etabliert.

Auszeichnungen wie der Deutsche Kulturförderpreis haben sich selbst zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Anerkennung zu stärken. Dieses Vorhaben deckt sich mit den Forderungen der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland", die sich in ihrem Schlussbericht vom Dezember 2007 für ein "gesellschaftliches Klima der Anerkennung unternehmerischer Kulturförderung" ausspricht. Hingegen der verbreiteten Annahme, dass das Engagement der Unternehmen in anonymer Form am aufrichtigsten sei, bindet die gesteigerte Aufmerksamkeit durch eine Auszeichnung die Unternehmen an ihre Verpflichtung und stärkt das soziale Gefüge. Als Teil einer Anerkennungskultur kann eine Auszeichnung langfristig einen Beitrag zur Kulturfinanzierung leisten.

Der Arbeit ist eine Übersicht von Auszeichnungen unternehmerischer Kulturförderung mit Teilnahmebedingungen, Bewertungskriterien, Jurymitgliedern sowie den bisher geehrten Unternehmen beigefügt. Bestandteil der Untersuchung sind Interviews mit vier Wettbewerbsvertretern.

Betreuer
Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Doreen Götzky, Universität Hildesheim am Institut für Kulturpolitik


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