Soziales Kapital in Bildungspartnerschaften

04. März 2013

Dissertation an der Professur für Christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Christoph Schwarz, 2013.

Abstract
Ist der Staat für Bildung verantwortlich? Unternehmen und Schulen erkennen in zunehmendem Maß mangelnde Berufsorientierung von Schulabgängern und Fachkräftemangel als gesellschaftliche Herausforderungen. Daher gehen sie vermehrt Partnerschaften ("Bildungspartnerschaften") miteinander ein, die über Spenden und Sponsoring hinaus gehen, etwa in Form von gemeinsamer Unterrichtsgestaltung oder Praxisprojekten für Schüler im Betrieb unter Anleitung von Azubis. Herausforderungen zwischen Wirtschaft und Schule liegen in Kommunikations- und Verständnisproblemen, weil sich die Partner zumeist nicht kennen und voneinander vorgefertigte Meinungen vertreten. Anhand der Aussagen von Vertretern aus 20 in Bildungspartnerschaften besonders engagierten Unternehmen und Schulen sowie Vermittlerorganisationen untersucht diese Arbeit im Detail die Motive, Erfolgsfaktoren und Erträge der Kooperationspartner. Zur Auswertung wird eine innovative softwarebasierte Methode der qualitativen Forschung eingesetzt, mit deren Hilfe die impliziten Zusammenhänge zwischen den Aussagen der Befragten deutlich werden. Als Hauptmotiv der befragten Unternehmen wird Personalgewinnung deutlich, um dem bereits spürbaren Fachkräftemangel vorzubeugen und Ausbildungsreife von Absolventen sicherzustellen. Darüber hinaus ergeben sich Chancen der Personalentwicklung und -förderung, indem in Bildungspartnerschaften involvierte Mitarbeiter relevante Kompetenzen erwerben können, etwa Aufbau und Pflege von Kontakten zu Vertretern eines anderen Sektors, Projektleitungs- und Moderationserfahrung. Es zeigt sich, dass sowohl bei Unternehmen als auch bei Schulen einerseits manchmal die klare Unterstützung durch die Leitungsebene fehlt; andererseits liegt auch innerhalb der Belegschaft nur geringes Bewusstsein vor, dass bzw. welche Bedeutung Bildungspartnerschaften für die eigene Organisation haben können – verbindendes Sozialkapital ist schwach ausgeprägt. Bildungspartnerschaften, die durch erfolgreiche Zusammenarbeit und beidseitiges Engagement gekennzeichnet sind, haben das Potenzial, zur Lösung konkreter Herausforderungen beizu¬tragen, die in sektorübergreifenden Partnerschaften auftreten können: Effekte ergeben sich in den Bereichen Allokation (z. B. Kennenlernen der beruflichen Erwartungen und Vorstellungen Jugendlicher), Adaption (z. B. verbesserte Kooperationsfähigkeit) oder Autorität (z. B. Zuweisung von Status und Anerkennung). Als eine der ersten Arbeiten in diesem Forschungsfeld wird die Sozialkapitaltheorie angewendet, deren Eignung für besseres Verständnis von Partnerschaften deutlich wird. Neben theoretischen Rückschlüssen werden praktische Handlungsempfehlungen für gelingende Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen abgeleitet.

Betreuer
Prof. Dr. André Habisch, Prof. Dr. Joachim Genosko


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Zusammenfassung der Arbeit