Wie positionieren sich Wirtschaftsverbände zum Thema "Corporate Social Responsibility" in Deutschland?

18. März 2013

Masterarbeit zur Erlangung des Mastergrades "Nonprofit Administration" im berufs-begleitenden Weiterbildungsstudiengang "Nonprofit-Management and Governance" der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster. Karsten Brandt, 2013.

Abstract
Der Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) wird in dieser Untersuchung in zwei Bereiche unterteilt: Corporate Compliance (rechtliche und ökonomische Verantwortung) sowie Corporate Citizenship (ethische und philanthropische Verantwortung).

Wirtschaftsverbände haben in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern, Politik und Gesellschaft gespielt. In den letzten 20 Jahren hat diese Bedeutung jedoch im Zuge von Globalisierung, Europäisierung und gesellschaftlichen Veränderungen abgenommen. Als Zusammenschlüsse von Unternehmen sind Wirtschaftsverbände zunächst nicht handelndes Subjekt zum Thema CSR.  Die wissenschaftliche Forschung hat sich der Rolle von Wirtschaftsverbänden in der CSR-Debatte in Deutschland noch nicht angenommen.

In dieser Arbeit werden folgende Fragen gestellt: Wie positionieren sich Wirtschaftsverbände zum Thema CSR? Unterstützen sie effizienzsteigernd ihre Mitglieder und stellen sie CSR-Aktivitäten der Branche in der Öffentlichkeit dar? Welche Aktivitäten (Compliance, Citizenship) stehen im Vordergrund? In welchen Branchen sind Wirtschaftsverbände besonders aktiv? Welche Gründe sprechen für und wider ein CSR-Engagement von Wirtschaftsverbänden?

Eine empirische Untersuchung anhand der Mitgliedsverbände des BDI wurde durchgeführt. Außerdem wurde eine Marktuntersuchung durchgeführt, die eine Vielzahl von Beispielen für CSR-Aktivitäten von Wirtschaftsverbänden erbrachte. Die Antworten können sowohl als Grundlage für die Bewertung der Aktivitäten von Wirtschaftsverbänden als auch als Orientierungshilfe für die Verantwortlichen selbst genutzt werden.

Einige Ergebnisse in Kürze:

  • in der untersuchten Stichprobe waren ein Drittel der Verbände sehr aktiv und die Hälfte fast komplett passiv; ein Mittelfeld gab es kaum
  • die aktiven Verbände haben ein sehr breites und tiefes Spektrum an CSR-Aktivitäten, sie unterstützen ihre Mitglieder intern, kommunizieren extern mit den Stakeholdern sowie betreiben z.T. eigene Projekte
  • Wirtschaftsverbände aus Branchen mit hoher sozialer Relevanz und öffentlichem Interesse (z.B. Klima, Ernährung, Umwelt) sind besonders aktiv; aber auch solche Verbände mit vielen mittelständischen Unternehmen
  • erstes genutztes Instrument sind häufig Verhaltenskodizes für die Mitglieder
  • viele Wirtschaftsverbände haben bei der Positionierung ihrer Branche in der Öffentlichkeit noch Handlungsbedarf
  • einige Verbände sind aus Wettbewerbsgründen passiv, da sich ihre Mitgliedsfirmen mit CSR-Maßnahmen selbst profilieren wollen

Das an Bedeutung zunehmende Thema CSR wäre eine gute Gelegenheit für Wirtschaftsverbände, durch eine aktivere Positionierung ihre eigene Bedeutung für die Mitgliedsunternehmen zu unterstreichen.

Betreuer
Prof. Dr. Michael Vilain


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