Chancen und Risiken von CSR im Mittelstand - Damit CSR nicht zur Opportunismusfalle wird

23. März 2015

CSR ist für mittelständische Unternehmen nicht nur mit Chancen verbunden, die etwa mit einem Zugewinn an Reputation und Wissen einhergehen, sondern auch mit Risiken. Die Studie identifiziert diese Risiken und erörtert anhand von acht Unternehmensbeispielen aus großen und mittelständischen Unternehmen, welche Instrumente zu ihrer Minimierung eingesetzt werden können.

Ergebnisse der Studie:

  • Verbandsmitgliedschaften reduzieren Beschaffungsrisiken: Bei fehlenden Kontrollmöglichkeiten der Marktpartner laufen Unternehmen Gefahr, unbemerkt Leistungen von Zulieferern zu beziehen, die nicht ihren Standards entsprechen. Um dies zu vermeiden, nutzen Unternehmen jedweder Größe ihre Mitgliedschaft in Vermarktungsverbünden. Sie wählen ihre Lieferanten ausschließlich unter Verbandsmitgliedern aus und erhalten so ein glaubwürdiges Signal für die Einhaltung von Standards. Kleinere Unternehmen setzen darüber hinaus auch auf persönliche Kontakte, um die Einhaltung von Standards zu sichern.
  • Fehleinschätzung der Mitarbeitermotivation: In der Personalpolitik setzen Unternehmen auf CSR, um Mitarbeiter zu motivieren und Humanressourcen zu erschließen. Eine Fehleinschätzung der Motivlage der Belegschaft kann die angestrebten CSR-Erfolge jedoch gefährden. Um die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zu sichern, setzen die befragten Großunternehmen auf Mitarbeiterbefragungen und Ideenwettbewerbe. Unternehmen des Mittelstands bevorzugen eher den persönlichen Diskurs und beteiligen ihre Mitarbeiter auch stärker an wichtigen CSR-Entscheidungsprozessen.
  • CSR als Verkaufsargument: Greenwashing in der eigenen Branche kann auch verantwortlich wirtschaftende Unternehmen in Misskredit bringen. Um dies zu vermeiden, setzen viele Unternehmen auf eindeutige Signale wie Zertifikate, Kooperationslösungen und Sozialkapital. Mittelständische Unternehmen greifen dabei vermehrt auf ihre regionalen Kontakte zurück und stehen häufiger in direktem Austausch mit ihren Kunden. Großunternehmen setzen eher auf externe Prüfungen wie Unternehmensratings und Kooperationen mit Wettbewerbern, um gemeinsame Compliance-Kodizes zu etablieren.
  • Bürgerschaftliches Engagement durch Trittbrettfahrer gefährdet: Bürgerschaftliches Engagement erfordert meist ein Vorgehen im Verbund mit Partnern aus Gesellschaft und Wirtschaft. Hier besteht die Gefahr, von Trittbrettfahrern ausgenutzt zu werden. Mit steigender Partnerzahl wächst zudem der Koordinationsbedarf. Diesen Gefahren wird vorrangig durch Begrenzung der Teilnehmerzahl und Wahl von Partnern aus bestehenden Netzwerken begegnet. Außerdem begründen die Akteure Institutionen (z.B. Vereine) und sichern hierdurch Bindungs-, Kontroll- und Leistungsanreize.

Die Studie von Annette Icks, Britta Levering, Frank Maaß und Arndt Werner wurde vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn herausgegeben. Die empirische Analyse umfasst Matched-Pairs-Analysen von acht Unternehmen, darunter die Ludwig Stocker Hofpfisterei, die Märkische Landbrot GmbH, die Volkswagen AG und die Paravan GmbH.


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