Wie Unternehmen die Gesellschaft beeinflussen - EU-Studie zur Sicht der Bürger

08. April 2013

Corporate Social Responsibility wird von der Europäischen Kommission als "Verantwortung der Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft" definiert. Eine von TNS Opinion & Social im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführte Studie untersucht die Ansichten der Europäer sowie der Bürger ausgewählter anderer Nationen zum Einfluss der Unternehmen auf die Gesellschaft.

Für die Studie wurden Umfragen in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in Kroatien, Israel, der Türkei, Brasilien, den Vereinigten Staaten, China und Indien durchgeführt. Mehr als 32.000 Befragte aus verschiedenen sozialen und demografischen Gruppen wurden telefonisch in ihrer Muttersprache interviewt (mit Ausnahme von Indien, wo die Interviews persönlich stattfanden).

Ergebnisse der Studie:

  • Die Europäer sind geteilter Meinung darüber, ob der Einfluss der Unternehmen insgesamt positiv oder negativ ist – 52% denken, dass der Einfluss der Unternehmen auf die Gesellschaft insgesamt positiv ist, während 41% meinen, er sei negativ.
  • In den EU27-Ländern zeigt sich allerdings eine breite Fächerung der öffentlichen Meinung, die von 85% der Befragten in Dänemark, die meinen, der Einfluss der Unternehmen auf die Gesellschaft sei insgesamt positiv, über 54% in Deutschland, bis zu 36% in Italien und Slowenien reicht.
  • Im Vergleich zur EU bewerten Befragte aus nicht-europäischen Ländern den Einfluss der Unternehmen auf die Gesellschaft insgesamt sehr viel häufiger als positiv. Beispielsweise denken 79% der brasilianischen Befragten, dass Unternehmen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben.
  • Die öffentliche Meinung ist in der Frage gespalten, ob Unternehmen ihrem Einfluss auf die Gesellschaft aktuell mehr oder weniger Beachtung schenken als vor 10 Jahren: 40% der Europäer sagen, dass diese Beachtung gestiegen sei, 39% meinen hingegen, sie sei zurückgegangen (Deutschland: 49% gestiegen; 28% zurückgegangen).
  • Lebensmittelhersteller und landwirtschaftliche Unternehmen (70%) sowie Einzelhandel und Supermärkte (67%) werden von den Europäern am ehesten als die Gruppen gesehen, die Anstrengungen unternehmen, um sich verantwortungsbewusst gegenüber der Gesellschaft zu verhalten. Banken und Finanzunternehmen sowie Unternehmen der Bergbau-, Öl- und Gasindustrie werden am seltensten als Unternehmen betrachtet, die solcherlei Anstrengungen unternehmen (beide 34%).
  • Nur etwas mehr als ein Drittel der Europäer (36%) sagt, dass sie sich darüber informiert fühlen, was Unternehmen im Hinblick auf gesellschaftlich verantwortungsbewusstes Verhalten tun, während 62% angeben, dass sie sich nicht informiert fühlen (Deutschland: 40% gut informiert; 58% nicht informiert).
  • Das bedeutet nicht, dass die Europäer hierfür kein Interesse hegen – 79% geben an, dass sie daran interessiert sind, was Unternehmen tun, um sich gegenüber der Gesellschaft verantwortungsbewusst zu verhalten. Die Befragten in Deutschland interessieren sich sogar noch häufiger für dieses Thema (89% - höchster Wert in Europa).
  • Wenig überraschend betrachten Europäer die Schaffung von Arbeitsplätzen (57%) als den positivsten Einfluss der Unternehmen auf die Gesellschaft, in einigem Abstand folgt der Beitrag zum Wirtschaftswachstum (32%) und die Bereitstellung von Aus- und Weiterbildungsangeboten für Beschäftigte (31%). Korruption (41%), die Verringerung der Zahl der Beschäftigten (39%) und die Umweltverschmutzung (39%) werden von Europäern als die größten negativen Auswirkungen der Unternehmen auf die Gesellschaft betrachtet. Korruption wird dabei in Indien (71%) und China (65%) im Vergleich zur EU sehr viel häufiger genannt.