Boni für Nachhaltigkeitsleistungen noch Ausnahme

04. März 2010

In kapitalstarken europäischen Aktiengesellschaften sind Bonus-Zahlungen für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen noch die Ausnahme. Zu diesem Schluss kommt das europäische Forum für nachhaltiges Investment, Eurosif, in einer Erhebung, die vom britischen Marktforschungsinstitut Eiris durchgeführt wurde.

Für die Studie wurden die im "Financial Times Stock Exchange Eurofirst 300" gelisteten Unternehmen analysiert. Dies sind die nach Börsenwert 300 größten Aktiengesellschaften Europas.

Ergebnisse der Studie:

  • Laut Eurosif belohnen vor allem Finanzdienstleister Nachhaltigkeitsleistungen ihrer Manager unzureichend. Nur 16% der untersuchten Banken knüpfen die variable Vergütung ihrer Manager an sogenannte ESG (environmental, social and governance)-Kriterien.
  • Im Branchendurchschnitt binden 29% der Unternehmen ihre variable Managervergütung an diese Dimensionen unternehmerischen Erfolgs.
  • Über dem Durchschnitt liegen laut Eurosif v.a. Konzerne, die unter Nachhaltigkeitsaspekten zu den kritischen Branchen zählen, wie z.B. Öl-, Gas- und Chemieunternehmen. Hier binde bereits jedes zweite Unternehmen Bonuszahlungen an ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement.
  • Die Hälfte der untersuchten Aktiengesellschaften, die bereits Nachhaltigkeits-Boni ausschütten, lässt offen, welche konkreten Leistungen damit belohnt werden. Es sei nicht immer klar, inwieweit die Boni mit "weichen" Kriterien und einer Minimalausschüttung verbunden seien. Eurosif kritisiert das und betont, die ESG-Ziele müssten wie andere Managementziele "quantifizierbar, zeitgebunden und nachvollziehbar" sein.
  • Als gutes Beispiel für transparente Boni führt die Studie das Modell des niederländischen Chemie-Multis Akzo Nobel. Der Konzern überlegt demzufolge, einen Teil der Sonderzahlungen für Führungskräfte an die Unternehmens-Platzierung im Dow Jones Sustainability Index zu koppeln.

Laut Eurosif-Exekutivdirektor Matt Christensen schaden Konzerne ihrem langfristigen Geschäft, wenn sie die variablen Zahlungen nicht an die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Manager knüpfen. Die Verbindung zwischen einer guten Unternehmensführung, einer hohen sozial-ökologischen Leistung und dem langfristigen finanziellen Erfolg eines Konzerns werde jedoch zunehmend verstanden. Treiber seien v.a. große Investoren und Nichtregierungsorganisationen.


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Download der Studie (1,9MB)