ETH-Studie: Corporate Citizenship in der Schweiz

11. August 2009

Rund drei Viertel der schweizerischen Unternehmen engagieren sich für gemeinnützige Zwecke. Das Engagement ist vielfältig, nicht am kurzfristigen Nutzen orientiert und trotzt der Wirtschaftskrise. Zu diesem Resultat kommt eine schweizweite Unternehmensbefragung der ETH Zürich zu Corporate Citizenship.

Wissenschaftler um Theo Wehner, Professor am Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften der ETH Zürich, haben das gemeinnützige Engagement von Schweizer Unternehmen in einer landesweiten Erhebung untersucht. Zwischen Januar 2008 und März 2009 wurden mehr als 2.000 Unternehmer befragt, davon stammen 90 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen.

Ergebnisse der Studie:

  • Rund drei Viertel der Unternehmen (76%) setzen sich für gesellschaftliche Anliegen ein – sowohl in Form von Spenden als auch, in dem sie Mitarbeitende freistellen, kostenlose Schulungen anbieten oder ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen.
  • Damit stehen Schweizer Unternehmer im internationalen Vergleich gut da. Obwohl sich in Deutschland und den USA insgesamt mehr Unternehmen gemeinnützig engagieren, sind prozentual mehr Schweizer Firmen im Bereich Corporate Citizenship aktiv (72%).
  • Das Engagement der Unternehmen bezieht sich vor allem auf den Sport (71%), die Kultur (59%) und das Bildungswesen (53%). Erst an vierter Stelle folgt das Sozialwesen mit 38%.
  • 95% der Befragten gehen davon aus, dass ihr gemeinnütziges Engagement in den nächsten Jahren gleich bleibt oder sogar steigt.
  • Ein Großteil der Firmenleitung versteht das gemeinnützige Engagement als persönliches Anliegen (71%) und erwartet davon keine betriebswirtschaftlichen Gewinne.
  • Nur selten wird das gemeinnützige Engagement kommuniziert (25%) und wenn, dann unsystematisch. Fast drei Viertel (72%) der befragten Firmen geben an, den unternehmerischen Nutzen des Engagements nicht zu evaluieren.

Die Forschenden der ETH Zürich sehen einen Vorteil darin, dass Corporate Citizenship in der Schweiz keiner kurzfristigen Profitorientierung folgt. Gesellschaftliches Engagement könne sich gerade deshalb Autonomie, Vielfalt und Nachhaltigkeit leisten, weil es nicht mit kurzfristigen Profitorientierungen konfrontiert werden und somit kaum im Fokus betriebswirtschaftlicher Prüfmechanismen stehe.