Globaler Rechtsindex des IGB 2017: Gewalt und Repressionen gegenüber erwerbstätigen Menschen nehmen zu

19. Juni 2017

Die Zahl der Länder, in denen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer körperlicher Gewalt und Drohungen ausgesetzt sind, hat sich in nur einem Jahr um 10 Prozent erhöht. Das geht aus dem Globalen Rechtsindex des IGB hervor. In 59 Ländern wurden Angriffe auf Gewerkschaftsmitglieder dokumentiert, und die Angst um Arbeitsplätze und Löhne wächst.

Der Globale Rechtsindex des IGB 2017 bewertet 139 Länder anhand von 97 international anerkannten Indikatoren, um festzustellen, wo die Arbeitnehmerrechte sowohl in der Gesetzgebung als auch in der Praxis am besten geschützt werden.

Einige Schlüsselergebnisse des Berichtes:

  • In 84 Ländern sind Beschäftigte vom Arbeitsrecht ausgeschlossen.
  • In mehr als drei Vierteln der Länder wird einigen oder allen Beschäftigten das Streikrecht verweigert.
  • In mehr als drei Vierteln der Länder werden einigen oder allen Beschäftigten Tarifverhandlungen verweigert.
  • Von den 139 untersuchten Ländern verweigern oder beschränken 50 die Rede- und Versammlungsfreiheit.
  • Die Zahl der Länder, in denen die Beschäftigten körperlicher Gewalt und Drohungen ausgesetzt sind, hat sich um 10 Prozent erhöht (von 52 auf 59). Zu den betroffenen Ländern zählen u.a. Kolumbien, Ägypten, Guatemala, Indonesien und die Ukraine.
  • In mindestens 11 Ländern wurden Gewerkschafter/innen ermordet, wie etwa in Bangladesch, Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Honduras, Italien, Mauretanien, Mexiko, Peru, den Philippinen und Venezuela.

Die schlimmste Region für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war wieder Nahost/Nordafrika, wo das Kafala-System in den Golfstaaten nach wie vor Millionen Arbeitskräfte versklavt und in Saudi-Arabien grundlegende Arbeitnehmerrechte noch immer vollkommen verweigert werden. In Ländern wie Irak, Libyen, Syrien und Jemen haben Konflikte und der Zusammenbruch der Rechtsstaatlichkeit dazu geführt, dass die Arbeitnehmerrechte nicht garantiert sind. Die Lage in Afrika hat sich verschlimmert, wobei Benin, Nigeria und Simbabwe am schlechtesten abschneiden, einschließlich zahlreicher Fälle, in denen Beschäftigte wegen ihrer Teilnahme an legitimen Streiks suspendiert oder entlassen wurden.

Der Internationale Gewerkschaftsbund sammelt bereits seit über 30 Jahren Daten über weltweite Verletzungen des Arbeitnehmerrechtes auf eine Gewerkschaftsmitgliedschaft und auf Tarifverhandlungen. Der Globale Rechtsindex des IGB liefert jetzt zum vierten Mal eine einzigartige und umfassende Übersicht darüber, wie staatliche Gesetze und unternehmerische Praktiken die Situation in den letzten 12 Monaten verschlechtert oder verbessert haben.