BSR-Report benennt Barrieren für verantwortliches Investment

02. September 2008

Obwohl seit mehr als 20 Jahren ökologische und soziale Aspekte sowie verantwortliche Unternehmensführung eine gewisse Anziehungskraft auf Investoren ausüben, spielen diese immer noch eine untergeordnete Rolle bei der Anlageentscheidung. Gründe für diese Situation hat die US-amerikanische Non-Profit-Organisation Business for Social Responsibility (BSR) in ihrem neuen Report untersucht.

BSR macht in dem neuen Report "Environmental, Social and Governance: Moving to Mainstream Investing?" fünf Hürden aus, die der Berücksichtigung der sogenannten ESG-Kriterien (environmental, social and governance criteria) noch entgegenstehen.

Ergebnisse der Studie:

  • Es besteht ein Mangel an belastbaren Belegen, die einen positiven Zusammenhang zwischen sozial und ökologisch verantwortlichen Unternehmensstrategien und der erzielten Rendite nachweisen.
  • Es fehlen weithin anerkannte Standards, die nachvollziehbar Informationen über die ESG-Leistung eines Unternehmens geben, damit Investoren unterschiedliche Leistungen vergleichen können.
  • Hinzu kommt ein hoher Druck, der kurzfristige Gewinne einfordert, jedoch mit auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgelegten Geschäftsmodellen nur selten kompatibel ist.
  • Den Investoren fehlt häufig der nötige Sachverstand, um Umwelt- und Sozialaspekte fachgerecht untersuchen bzw. einschätzen zu können.
  • Der positive Einfluss der ESG-Kriterien wird zum Teil ignoriert – aus Mangel an Informationen oder dem Unwillen, sich von bisherigen Denkmustern zu lösen.

Dieser Zynismus wird als eine zentrale Barriere für die Berücksichtigung von ESG-Kriterien bei der Anlageentscheidung betrachtet. BSR empfiehlt daher, Umwelt- und Sozialaspekte mit harten Fakten zu hinterlegen, so dass der positive wirtschaftliche Einfluss deutlich wird. Außerdem schlägt BSR vor, ESG-Kriterien nicht mehr als "nicht-finanzielle" zu führen, sondern als "extra-finanzielle" Kriterien, um den Eindruck zu vermeiden, ESG-Kriterien seien nicht substantiell.

Des Weiteren wird den Unternehmen empfohlen, sich verstärkt an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) zu orientieren, um die Vergleichbarkeit für Investoren zu gewähren. Eine Erweiterung der Ausbildung bei den Anlageexperten zu mehr ESG-Wissen sowie mehr Forschung, sollen zudem die Ansicht unterstützen, dass sich eine Berücksichtigung von ESG-Kriterien für die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens auszahlt.