Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen: Über Parteispenden und Lobbying wird geschwiegen

21. April 2017

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e. V. stellt fest, dass in den Nachhaltigkeitsberichten deutscher Großunternehmen über die Einflussnahme auf politische Entscheidungen nur unzureichend berichtet wird. Es wurden Berichte von 2016 untersucht, die entlang der Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) erstellt wurden. Informationen über Lobbying sind wenig ausführlich und bleiben deutlich hinter dem – bereits niedrigen – Niveau früherer Berichte zurück.

Transparency Deutschland hat zum dritten Mal eine Studie über die Nachhaltigkeitsberichtserstattung deutscher Großunternehmen erstellt. Es wurden Berichte aus 2016 begutachtet, die auf den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) aufbauen, dem internationalen Standard der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Untersucht wurde der Umgang der Unternehmen mit den überarbeiteten GRI-Leitlinien und wie über die Themenbereiche Korruption und politische Einflussnahme berichtet wird.

Der Aspekt der Korruptionsbekämpfung wurde in 18 der 19 Berichten als wesentlich identifiziert. Dennoch wurden im Durchschnitt fast die Hälfte der in diesem Aspekt geforderten Informationen nicht angegeben wie bspw. die Nennung der ermittelten erheblichen Korruptionsrisiken oder Angaben zur Art von Korruptionsvorfällen. Auslassungen wurden in den Berichten nicht dokumentiert. Über den Aspekt Politik der über den Indikator "Gesamtwert der politischen spenden, dargestellt nach Land und Empfänger/Begünstigtem" erhoben wird, wurde nur in 12 der 19 Berichte informiert.

"Transparenz im politischen Bereich ist ein zentrales Thema jeder funktionierenden Gesellschaft. Daher sollte GRI eine Berichtspflicht über Parteispenden und Lobbying einführen", sagte Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland

Fast alle Berichterstatter haben ihre Berichte durch Wirtschaftsprüfungs-gesellschaften prüfen lassen. Umfang und Art dieser Prüfungen sind aber sehr uneinheitlich, meist lückenhaft und wenig transparent. „Es sollten gesetzliche Regelungen oder Standards für die Prüfung von Nachhaltigkeits-informationen eingeführt werden. Die Prüfungen sollten möglichst auf dem gleichen Niveau erfolgen wie beim Lagebericht des Jahresabschlusses“, sagt Manfred zur Nieden, Autor der Studie. Das würde zu einer besseren Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen führen.

Untersucht wurden die Berichte von 19 Unternehmen die in dem IÖW/future-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen 2011 unter den 50 bestplatzierten waren.