Klimawandel sorgt auch an der Börse für Sturm

16. November 2016

Eine aktuelle Studie der Universität Stuttgart zeigt, welche Folgen sich aus dem Klimawandel für den zentralen deutschen Finanzplatz in Frankfurt am Main ergeben können.

Die der Frankfurter Börse notierten deutschen Aktien und Aktienfonds waren im Jahr 2015 pro investierter Million Euro Anlagekapital mitverantwortlich für den Ausstoß von 807,8 Tonnen Kohlenstoffdioxid oder äquivalenter Treibhausgase. Dieser Wert liegt deutlich über dem Vergleichswert für weltweite Aktien, den der führenden Wertpapierindexanbieter MSCI für 2015 mit 228,1 Tonnen beziffert. Die damit finanzierten Treibhausgasemissionen (so genannte Financed Emissions) des Frankfurter Finanzplatzes durch börsennotierte Aktien und Aktieninvestmentfonds unterstützen umgerechnet eine globale Erwärmung um vier bis sechs Grad Celsius.

Wenn die Pläne zur Umsetzung des Weltklimaschutzabkommens Wirklichkeit werden, droht Anlegern ein Risiko: Denn wenn Aktiengesellschaften im europäischen Emissionshandelssystem für das Recht, Treibhausgas auszustoßen (sog. Emissionszertifikate), zukünftig mehr bezahlen müssen, kann dies - je nach Preisentwicklung - zusätzliche Kostenbelastungen, geschmälerte Gewinne und sinkende Aktienkurse nach sich ziehen.

Was dies für Aktienanleger am Finanzplatz Frankfurt bedeutet, wo 2015 Aktien in einem Wert von 760 Mrd. Euro gehandelt wurden, berechneten die Autoren auf der Grundlage von drei möglichen Preisszenarien für eine Tonne Emissionszertifikate.

Ergebnisse der Studie:

  • Im Fall des am niedrigsten erachteten Preises für Emissionszertifikate ist mit einer Wertvernichtung in Höhe von 3,07 Milliarden Euro zu rechnen. In einem Mittelpreis-Szenario würde der finanzielle Verlust 15,96 Milliarden. Euro und im Hochpreis-Szenario sogar 66,3 Milliarden Euro betragen.
  • Dementsprechend würde im Mittelpreis-Szenario die durchschnittliche Jahresrendite der Aktien des Finanzplatzes Frankfurt gegenüber mehr als 11 Prozent im Jahr 2015 auf neun Prozent sinken. Im Hochpreis-Szenario würde die Jahresrendite sogar nur noch zwei Prozent betragen. Die größten Renditeeinbußen würden Anleger bei Unternehmen der Versorgungsbranche, anderer treibhausgasintensiver Branchen wie Verkehr sowie des produzierenden Gewerbes erleiden.
  • Ergänzend wurden auch die vergleichbaren Konsequenzen auf der Grundlage von Aktieninvestmentfonds des Finanzplatzes Frankfurt analysiert. Hier erwiesen sich das Kohlenstoffrisiko und die damit verbundenen finanziellen Gefahren für die Anleger als geringer, aber absolut immer noch hoch. So wäre die im Jahr 2015 erzielte Rendite von Aktieninvestmentfonds in Höhe von drei Prozent um die Hälfte niedriger ausgefallen, wenn Kohlenstoffrisiken eingepreist worden wären. Bezogen auf den Fondsmarkt in Deutschland bedeutet dies im schlimmsten Fall eine finanzielle Belastung von 5,7 Milliarden Euro.

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