oekom research Jahresbericht: Nur die wenigsten Unternehmen erfüllen Mindestanforderungen

29. März 2016

Die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research stellt im aktuellen Corporate Responsibility Review 2016 nach wie vor nur langsame Fortschritte im Bereich der ökologischen und sozialen Unternehmensverantwortung fest. Eine Chance zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsperformance kann in den von den Vereinten Nationen verabschiedeten UN Sustainable Development Goals (SDGs) liegen, wenn diese als Richtlinien für mehr Nachhaltigkeitsengagement verstanden werden.

Ergebnisse der Studie:

  • Nach wie vor erfüllen nur etwas mehr als 16 Prozent der Unternehmen weltweit die Mindestanforderungen von oekom research an Nachhaltigkeitsmanagement und -leistungen und wurden mit dem oekom Prime Status ausgezeichnet. Dieser Anteil ist zwar genauso niedrig wie im Vorjahr, insgesamt ist jedoch ein langsamer Trend hin zu einer generellen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen zu sehen: Mit knapp 36 Prozent zeigt inzwischen etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen erste Ansätze zum Engagement auf diesem Gebiet. Umgekehrt ging der Anteil der als schlecht bewerteten Unternehmen weiter leicht zurück – von rund 50 Prozent in 2014 auf nun knapp 48 Prozent.
  • Der Branchenvergleich der Unternehmen verfestigt das Bild, das sich in den letzten Jahren etabliert hatte: Mit einer Bewertung von 47,4 auf einer Notenskala von 0 bis 100 (Bestnote) schnitten die Hersteller von Haushaltsprodukten wie im letzten Jahr auch am besten ab. An zweiter Stelle stand die Automobilindustrie mit einer Bewertung von 44,4. Schlusslichter sind unter anderem Versicherungen, die Bau- und  Immobilienbranche, die Öl- und Gasbranche sowie der Einzelhandel und das Logistikgewerbe mit Bewertungen zwischen 20 und 25 Notenpunkten.
  • Im Ländervergleich der jeweils besten Unternehmen einer Branche liegt Frankreich mit den meisten Branchenführern deutlich vorne. Im Jahresverlauf 2015 hatten 16 französische Unternehmen eine Platzierung unter den ersten drei Rängen erreicht. Großbritannien und Deutschland folgen auf zweiter und dritter Stelle mit jeweils 13 bzw. 11 Platzierungen.
  • Kontroverse Geschäftspraktiken und Verstöße gegen die im UN Global Compact definierten Prinzipien einer verantwortungsvollen Unternehmensführung wurden 2015 vor allem im Rohstoffsektor festgestellt. Hier häufen sich Landnutzungskonflikte, Menschenrechtsverletzungen und schädliche Auswirkungen auf Ökosysteme und die Umwelt. Involviert sind dabei besonders Öl- und Gasunternehmen, deren Ausrüster und Serviceunternehmen sowie die Metall- und Bergbaubranche.
  • Die Analyse der Unternehmensaktivitäten im Spiegel der durch die SDGs definierten  Zielsetzungen macht sichtbar, dass in den meisten Gebieten noch großer Nachholbedarf besteht, z.B. in Bezug auf die Verringerung von Ungleichheit zwischen Staaten. In  Bezug  auf  den  Unternehmenssektor hat  oekom  research vor  allem Steuervermeidung und Steuerflucht als entscheidende Problemfelder identifiziert. Die im  oekom Corporate  Rating  abgefragte Transparenz bei der Berichterstattung von Unternehmen zu ihren Gewinnen und  Steuerzahlungen zeigt eine überwiegend ungenügende Berichterstattungsqualität: Lediglich 1,1 Prozent erreichen hier die Bestbewertung.

Als Jahresbericht zur globalen Unternehmensverantwortung dokumentiert der oekom Corporate  Responsibility Review seit 2009 die zentralen Entwicklungen bei der Integration von  Nachhaltigkeitskriterien in die Unternehmensführung. Die Auswertungen beziehen sich auf rund 1.600 international tätige Großunternehmen mit Sitz in den Industrieländern.


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