Die soziale Verantwortung der Unternehmen nimmt zu – trotz Globalisierung, starke Länderunterschiede

02. Juni 2016

Immer mehr Unternehmen in OECD-Ländern engagieren sich einer Studie der Freien Universität Berlin zufolge gesellschaftlich. Wie der erstmals erhobene Corporate Responsibility Social Index ergibt, sind Unternehmen aus Spanien und Großbritannien Spitzenreiter; deutsche Unternehmen befinden sich im Mittelfeld. Die Studie zeigt jedoch auch, dass Länder mit hohen Werten von Corporate Responsibility zugleich hohe Werte von Corporate Irresponsibility der Unternehmen haben.

Die Studie "Corporate Responsibility in Different Varieties of Capitalism: Exploring the Role of National Institutions" beleuchtet das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen aus international vergleichender Perspektive. Die Bertelsmann Stiftung hat die Studie unterstützt.

Ergebnisse der Studie:

  • Es ist von Land zu Land sehr unterschiedlich, wie sich Unternehmen konkret einbringen. Deutschland ist in der Verbreitung von Maßnahmen im Bereich Diversität in der Spitzengruppe, wenngleich deutsche Unternehmen weiterhin einen im Ländervergleich niedrigen Frauenanteil auf der Managementebene haben.
  • In Großbritannien steht den Ergebnissen zufolge zivilgesellschaftliches Engagement von Unternehmen im Vordergrund. Unternehmen aus den skandinavischen Ländern wiederum achten besonders auf Einhaltung der Menschenrechte im Unternehmen und bei Zulieferern.
  • Das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen hängt der Studie zufolge maßgeblich von nationalen institutionellen Rahmenbedingungen ab; dazu zählen Corporate Governance, die Wettbewerbsordnung und die Arbeitsbeziehungen. Einen stark positiven Einfluss auf die Corporate Responsibility von Unternehmen hat die Arbeitnehmervertretung wie durch Betriebsräte, Bindung an Tarifverträge sowie staatliche Wohlfahrtsausgaben. Darüber hinaus scheint eine verpflichtende Berichterstattung über Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen verantwortungsvolles Unternehmertum zu fördern.
  • Die Studie sieht die nationalen Kontexte als wesentlich dafür an, in welchem Ausmaß und wie Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Einen „one-size-fits-all“-Ansatz zur Förderung von gesellschaftlichem Engagement von Unternehmen gebe es allerdings nicht.

Für die Studie von Prof. Dr. Gregory Jackson und Julia Bartosch wurden Daten von 24 Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus den Jahren 2008 bis 2014 ausgewertet.