Edelman Trust Barometer 2016

19. Januar 2016

Die Regierung Merkel erleidet erstmals seit Jahren einen Vertrauensverlust. Für Unternehmen birgt diese Entwicklung neue Chancen, gepaart mit neuen Verantwortungen. Sie haben nicht nur die Möglichkeit, eine größere Rolle bei der Beantwortung gesellschaftlich relevanter Fragen zu spielen. Die Menschen verlangen das auch von ihnen.

Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Edelman Trust Barometers 2016 – mit mehr als 33.000 Befragten in 28 Ländern die größte repräsentative Erhebung zum Vertrauen in Regierungen, Nichtregierungsinstitutionen (NGO), Unternehmen und Medien.

Ergebnisse der Studie:

  • Unter den Befragten der informierten Öffentlichkeit – Menschen mit einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen und einem Hochschulabschluss, die intensiv Medien nutzen – vertrauen nur noch 45 Prozent der Regierung Merkel und ihren Ministern, ein Rückgang um fünf Prozentpunkte nach drei stabilen Jahren. Unternehmen hingegen haben leicht an Glaubwürdigkeit gewonnen: plus zwei Prozentpunkte auf 47 Prozent. Deutlicher konnten Medien zulegen (vier Prozentpunkte auf 49 Prozent). NGOs sind mit 61 Prozent nach wie vor die vertrauenswürdigste unter den untersuchten Institutionen. Der leichte Rückgang ihrer Glaubwürdigkeit im vergangenen Jahr ist damit wieder aufgeholt.
  • Weltweit das Vertrauen in alle vier Institutionen gestiegen. Regierungen haben im globalen Durchschnitt um drei Prozentpunkte auf 51 Prozent zugelegt, NGOs um vier Prozentpunkte auf 67 Prozent, Unternehmen und Medien sogar um jeweils sechs Prozentpunkte auf 63 bzw. 57 Prozent.
  • Das Vertrauen, das die Menschen Unternehmen entgegenbringen, geht Hand in Hand mit großen Erwartungen: 80 Prozent der allgemeinen Bevölkerung geht davon aus, dass es Unternehmen gelingen kann und sollte, gleichzeitig ihre Gewinne zu steigern und die ökonomischen und sozialen Bedingungen in der Gesellschaft zu verbessern. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 72 Prozent.
  • Mit ihrem Engagement für gesellschaftliche Fragen befriedigen Unternehmen nicht allein die Ansprüche, die Menschen in Deutschland an sie stellen. Sie ziehen selbst einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen daraus. Sind Unternehmen auch sozial engagiert, haben 85 Prozent Vertrauen in die Zukunft der jeweiligen Firma und würden sie als Arbeitgeber empfehlen. Ohne soziales Engagement liegen beide Werte nur bei 58 Prozent. Die eigenen Mitarbeiter sind zudem motivierter und neigen eher dazu, im Unternehmen zu bleiben, wenn dieses sich in der Gesellschaft engagiert (jeweils 82 Prozent). Tut es das nicht, sinken beide Werte erheblich auf 59 bzw. 62 Prozent. 89 Prozent empfehlen Produkte und Dienstleistungen von sozial aktiven Unternehmen, für Unternehmen ohne Engagement sind es nur 69 Prozent.
  • Wie schnell sich Vertrauen verspielen lässt und wie lange es dauert, es zurückzugewinnen, zeigen die Ergebnisse für die Automobilbranche und den Finanzsektor. Noch vor einem Jahr spielten Autohersteller und Zulieferer in der Liga der Top-Branchen. Ihr Vertrauenswert lag gleichauf mit der global seit Jahren glaubwürdigsten Branche Technologie. 2016 hat sich das Bild rapide gewandelt: Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen brach der Vertrauenswert um 20 Prozentpunkte auf 41 Prozent ein. Kritischer werden nur Pharmahersteller (38 Prozent) und der Finanzsektor (32 Prozent) beäugt.

Das Edelman Trust Barometer ist eine jährliche Studie der Agentur Edelman zu Vertrauen in Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Unternehmen und Medien, die in diesem Jahr zum 16. Mal durchgeführt wurde. Für das Edelman Trust Barometer 2016 wurden im Herbst 2015 in 28 Ländern jeweils 1.150 Personen über 18 Jahre aus der allgemeinen Bevölkerung sowie 200 weitere Meinungsführer befragt.