Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen – Wer zahlt den Preis für unseren grenzenlosen Konsum?

03. Februar 2016

Die Bundesregierung entscheidet in den nächsten Wochen über einen nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der internationalen Standards zur Unternehmensverantwortung. Es geht darum, welche Verantwortung Unternehmen etwa für ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder die Zerstörung der Umwelt in Entwicklungs- und Schwellenländern haben. Eine Studie von Brot für die Welt zeigt an den Beispielen Fleisch, Kleidung und Autos, wie sich globale Wertschöpfungsketten auf die Lebenschancen von Millionen Menschen auswirken.

Die Studie analysiert Fallbeispiele aus mehr als zwanzig Ländern und nennt bekannte Firmennamen wie Aldi, Hugo Boss oder VW. Sie zeigt, dass es viele Konsumgüter mittlerweile zum Niedrigpreis gibt: das Hähnchen im Sonderangebot für zwei Euro, die Hose für zehn. Die Kosten zahlen vor allem die Menschen, die fernab der westlichen Metropolen leben: Näherinnen, die bis zu 16 Stunden täglich in den Textilfabriken von Bangladesch arbeiten oder Kleinbauern in Paraguay, die von ihren Feldern vertrieben werden, weil dort Soja für deutsche Hähnchenmastbetriebe angebaut wird.

Ergebnisse der Studie:

  • Die Studie stellt (grafisch aufbereitet) den Konsum eines durchschnittlichen deutschen Verbrauchers im Alter von 55 Jahren dar. Dazu gehören unter anderem 660 Kilogramm Kleidung, 31 Schweine und 641 Hühnchen sowie mehr als fünf Autos.
  • Wenige Produkte stehen so symbolhaft für die Industriegesellschaft, ihren Erfolg und Ihre Gefahren, wie das Auto. Die Autoren der Studie gehen insbesondere auf produktionsnotwendige Rohstoffe ein. Der überwiegende Anteil dieser Rohstoffe (beispielsweise Kupfer, Eisen, Bauxit) stammt aus Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen die Ausbeutung von Arbeitskräften, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen weit verbreitet sind. Am Beispiel des Kupferabbaus in Peru wird gezeigt, wie sich die Förderung von Kupfererz auf Menschen und Natur auswirkt.
  • In Bezug auf die Herstellung von Textilien geht die Studie unter anderem auf die Aspekte Kinderarbeit, sklavenähnliche Ausbeutung und Umweltverschmutzung ein. So werden zur Herstellung einer einzigen Jeans rund 2,4 Kilogramm Chemikalien benötigt, die nicht nur die Umwelt schädigen, sondern auch die Arbeiter gefährden.
  • Die weltweite Geflügelproduktion wuchs seit den 1960er Jahren weltweit um das Zehnfache. Im Jahr 2014 exportierte die Europäische Union 650.000 Tonnen Geflügelfleisch nach Afrika. Ein Grund dafür ist die einseitige Konsumpräferenz mitteleuropäischer Verbraucher. Sie führt dazu, dass Geflügelteile wie Flügel, Beine und Hälse häufig exportiert werden und zur Konkurrenz für lokale afrikanische Mastbetriebe werden.

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