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Social Responsible Investment

01. März 2008

Unter Social Responsible Investment (SRI) – hierzulande meist übersetzt als ethisches oder nachhaltiges Investment – wird die Einbeziehung von umweltbezogenen und sozialen Aspekten in Anlageentscheidungen verstanden. In dieser Rubrik werden Aktienindizes und Rating Agenturen vorgestellt, die die sich auf die soziale und ökologische Bewertung von Unternehmen spezialisiert haben.

Für immer mehr Investoren ist die Antwort auf die Frage "Luxus oder Chance?" klar. Unternehmen, die verantwortlich am Markt, gegenüber Mitarbeitern und der Umwelt sowie im Gemeinwesen agieren, werden zunehmend interessant für Kapitalanleger. Vor allem institutionelle Investoren haben ihr Engagement im Bereich nachhaltiger Kapitalanlagen ausgebaut beziehungsweise wollen dies künftig stärker tun.

In den vergangenen Jahren hat nachhaltiges Investment im deutschsprachigen Raum dementsprechend einen besonderen Aufschwung erlebt. Neben den ethisch-ökologisch orientierten Banken führen inzwischen alle großen Banken nachhaltige Fonds. Sowohl die Anzahl entsprechender Anlageprodukte als auch deren Volumina haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Einen Überblick zum aktuellen Stand gibt das von der Rating Agentur oekom research veröffentlichte Corporate Responsibility Review 2009. Zahlen zu Publikumsfonds aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Ethik und erneuerbare Energien und deren Volumina liefern auch die Recherchen von ECOreporter.

Viele Experten gehen davon aus, dass nachhaltiges Investment im Zuge eines erhöhten Bedarfs nach Transparenz zu den Gewinnern der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gehören wird.

Aktienindizes

Advanced Sustainable Performance Indices (ASPI)

Der ASPI setzt sich aus den 120 besten Unternehmen des DJ EURO STOXX zusammen. Für die Auswahl der 120 Unternehmen werden alle Titel des DJ EURO STOXX zunächst in fünf Positivkriterien benotet: Gesellschaftliches Engagement, Unternehmensführung, Beziehungen zu Kunden und Lieferanten, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt sowie Personal und internationales Arbeitsrecht. Der Durchschnitt aus diesen Noten ergibt die "globale ASPI-Note". Die 120 Unternehmen mit den besten Noten bilden den ASPI, der einer vierteljährlichen Revision unterzogen wird, bei der die Veränderungen des Universum DJ EURO STOXX berücksichtigt werden. In der jährlichen Revision wird die Zusammensetzung komplett überarbeitet. Eine permanente Beobachtung soll sicher stellen, dass auch außergewöhnliche Ereignisse berücksichtigt werden.

Domini 400 Social Index

Der Domini-400 Social Index besteht aus 400 US-amerikanischen Großunternehmen, die nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt werden. Der Index wurde von der Rating Agentur Kinder, Lydenberg, Domini & Co (KLD) 1990 lanciert und war nach eigenen Angaben der erste Index für sozial und ethisch orientierte Anleger in den USA. Beim Rating werden sechs verschiedene Qualitätsbereiche begutachtet: Corporate Citizenship, Diversity, Mitarbeiterbeziehungen, Umweltschutz, Schutz der Menschenrechte und der Umwelt bei Produktionsstandorten außerhalb der USA sowie Sicherheit, Qualität und Nutzen der Produkte. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die Alkohol, Tabak oder Rüstungsgüter produzieren, die Atomkraftwerke betreiben oder überwiegend Umsätze durch Glückspiele erwirtschaften.

Dow Jones Sustainability Index Familie (DJSI)

Dow Jones Company und die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Sustainable Asset Management (SAM) haben im September 1999 den ersten weltweiten Nachhaltigkeitsaktienindex lanciert, den Dow Jones Sustainability World Index. Die rund 250 Unternehmen im DJSI werden auf Basis des Dow Jones World Index ausgewählt. Im "Corporate Sustainability Assessment" wird jedem Unternehmen eine entsprechende Kennzahl zugeordnet, die die ökonomische, ökologische und soziale Performance des Unternehmens beschreibt. Der DJSI ist ein Best-in-Class-Index, d.h. die nachhaltigsten Unternehmen aus jeder Branche werden in den Index aufgenommen. Ausschlusskriterien werden ausschließlich im Rahmen der spezifischen Einzelindizes berücksichtigt. Bei diesen werden Unternehmen ausgeschlossen, die in bestimmten Branchen, z.B. Alkohol, Tabak oder Glücksspiel, tätig sind. Das Verfahren ist ausführlich beschrieben auf den Internetseiten von SAM. Die Familie der DJSI ist unterteilt in globale (DJSI-World), europäische (DJSI STOXX), nordamerikanische (DJSI North America), asiatische (DJSI Asia Pacific) und südkoreanische (DJSI Korea) Index-Gruppen.

Ethibel Sustainability Index (ESI)

Der ESI ist in zwei globale Indizes - ESI Pioneer Global und ESI Excellence Global - sowie zwei regionale Indizes - ESI Pioneer Europe und ESI Excellence Europe - unterteilt. Die Indizes beabsichtigen, in ihrer Zusammenstellung die sektorielle Streubreite des Standard & Poor's Global 1.200 möglichst genau nachzubilden. Der Auswahl für die Indizes bzw. das Ethibel Investitionsregister geht ein Auswahlprozess voraus, in dessen Rahmen die Unternehmen nach den Kriterien interne Sozialpolitik, Umweltpolitik, externe Gesellschaftspolitik und ethisch-ökonomische Politik analysiert werden. Ethibel arbeitet nicht mit Ausschlusskriterien im strengen Wortsinn. Bei heiklen Aktivitäten eines Unternehmens folgt Ethibel einer Vorgehensweise, die zulässt, die Art und das Ausmaß einer Beteiligung festzustellen und zu bewerten. Diese Vorgehensweise besteht für Atomenergieprogramme, Waffenhandel oder -produktion und Tierversuche. Die Indizes werden von Standard & Poor's berechnet und fortgeführt. Es sind Indizes, die auf der öffentlich zugänglichen Marktkapitalisierung, dem sogenannten "free float", basieren. Sie beinhalten die Best-in-Class Firmen in nachhaltigem Wirtschaften, und dies für alle Industriezweige in den Regionen Europa, Amerika und Süd-Ost-Asien.

FTSE4Good Indexreihe

In Zusammenarbeit mit Ethical Investment Research Service (EIRIS) entwickelte FTSE die Indexreihe für ethisches Investment FTSE4Good, die im Juli 2001 gestartet wurde. Die Unternehmen des FTSE4Good werden auf Basis des FTSE-Developed Index und des All-Share Index ausgewählt. Die Kriterien gliedern sich in folgende Bereiche auf: Umweltmanagement, Minderung der Ursachen von und Anpassung an den Klimawandel, Entgegenwirken von Bestechung, Einhaltung und Förderung der Menschenrechte sowie Einhaltung von Arbeitsrichtlinien in der Zulieferkette. Tabakproduzenten, Rüstungsunternehmen, Betreiber und Besitzer von Atomkraftwerken und Firmen, die Uran abbauen oder vermarkten, werden vom FTSE4Good ausgeschlossen. Die Indexfamilie gliedert sich in einen globalen, europäischen, US-amerikanischen, japanischen und englischen Index. Alle Lizenzgebühren und weiteren Einnahmen der Indexreihe werden an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) gespendet. Die Indizes der FTSE4GOOD Serie werden von FTSE zweimal jährlich im März und im September in ihrer Zusammensetzung überprüft.

Global Challenges Index (GCX)

Der von der Börse Hannover in Kooperation mit oekom research im September 2007 entwickelte GCX orientiert sich an sieben globalen Herausforderungen: Klimawandel, Armut, Trinkwasserknappheit, nachhaltige Waldwirtschaft, Artenvielfalt, Bevölkerungsentwicklung und Good Governance. Der Index enthält 50 Titel weltweit tätiger Großunternehmen sowie kleiner und mittlerer Unternehmen, die durch ihre Produkt- und Dienstleistungspalette eine nachhaltige Entwicklung fördern und sich gleichzeitig Chancen für die zukünftige Geschäftsentwicklung erschließen. Der Global Challenges Index setzt sich nach dem Best-in-Class-Ansatz aus Unternehmen, die Bestandteil des Research Universums von oekom sind, zusammen. Bei der Auswahl der Unternehmen werden Ausschlusskriterien berücksichtigt, die sich sowohl auf die Unternehmenstätigkeit als auch auf das Geschäftsverhalten beziehen. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die in folgenden Bereichen tätig sind: Atomenergie, Biozide, Chlorchemie, grüne Gentechnik und Rüstung. Außerdem werden Unternehmen ausgeschlossen, die gegen Standards in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Kinderarbeit sowie Korruption und Bilanzfälschung verstoßen.

Natur Aktien Index (NAI)

Der NAI wurde im April 1997 ins Leben gerufen, den Anstoß zur Entwicklung des Index gab die natur media GmbH, München. Der Index umfasst 30 internationale Unternehmen, die global zur Entwicklung ökologisch und sozial nachhaltiger Wirtschaftsstile beitragen. Dazu gehören Umwelttechnologie-Unternehmen, die ökologisch und sozial nachhaltige Produkte und Dienstleistungen an bieten, wie z.B. die Nutzung regenerativer Energien, oder Branchenvorreiter in Hinblick auf ökologische und soziale Produktgestaltung und technische oder soziale Gestaltung des Produktions- und Absatzprozesses. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die ein Negativ-Kriterium erfüllen, wie z.B. Atomenergie, Waffenproduktion, Diskriminierung von Frauen, Diskriminierung von sozialen oder ethnischen Minderheiten, Kinderarbeit, Tierversuche, Gentechnik in der Lebensmittelproduktion, Erzeugung von ausgesprochen umwelt- oder gesundheitsschädlichen Produkten u.a. Das Rating zur Aufnahme in den NAI führt das "Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft" (imug) durch.

Rating Agenturen

imug - Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V.

imug ist ein praxisorientiertes Forschungsinstitut, das in verschiedenen Projekten die soziale Verantwortung von Unternehmen begutachtet: Seit 1992 hat das imug in Kooperation mit Verbraucherschutzorganisationen zahlreiche Unternehmensprofile aus unterschiedlichen, konsumentennahen Branchen, u.a. Lebensmittel, Kosmetik, Körperpflege, Waschmittel sowie Elektrogeräte erstellt. imug ist deutscher Partner von EIRIS und bewertet regelmäßig die im DAX30 und MDAX gelisteten Unternehmen sowie Aktiengesellschaften aus Österreich und der Schweiz nach den EIRIS-Kriterien. Seit September 1999 führt das imug das Rating zur Aufnahme von Unternehmen in den Natur-Aktien-Index durch. Weiterhin erstellte das Institut Studien zu Marktchancen ethischer Geldanlagen oder zum Status Quo der der CSR-Performance bei internationalen Aktiengesellschaften. Kunden sind Unternehmen, Finanzdienstleister, öffentliche Auftraggeber sowie Verbraucher- und Umweltverbände.

oekom research AG

oekom research mit Sitz in München hat international mehr als 1.100 kleine und große Unternehmen aus allen bedeutenden Branchen nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien analysiert und bewertet. Die internationale Rating Agentur ging 1999 aus dem Umweltmedienverlag ökom hervor. Das Corporate Responsibility-Rating basiert auf den Kriterien des sogenannten Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens. Es setzt sich aus zwei gleichberechtigten Stufen zusammen: der Analyse nach Umweltgesichtspunkten und der Analyse nach sozialen und kulturellen Kriterien. Kunden der oekom research AG sind zum einen Finanzdienstleister, aber auch Unternehmen oder Unternehmensberatungen und NGOs.

Systainalytics

Systainalytics ist eine im Februar 2009 gegründete Rating Agentur, entstanden aus einem Zusammenschluss der in Deutschland etablierten scoris GmbH und zwei weiteren europäischen Partnern. In der Vergangenheit repräsentierte Scoris das Sustainable Investment Research International Network (SiRi Network) in Deutschland. Der Katalog der Nachhaltigkeitskriterien, der als Grundlage für das Ratingverfahren dient, wurde von den verschiedenen Partnern des SiRi Network gemeinsam entwickelt. Er umfasst acht verschiedene Bereiche: von "Gesellschaftlichem Engagement" über "Mitarbeiterbeziehungen" und "Umwelt" bis hin zu "Aktivitäten in kontroversen Geschäftsfeldern". Das SiRi Network kann zu mehr als 4.000 Unternehmen weltweit Unternehmensdaten zur Verfügung stellen. Damit ist das SiRi Network nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von SRI-Research. Die Kunden kommen vornehmlich aus dem Finanzsektor.

Banken

GLS Gemeinschaftsbank

Die GLS Gemeinschaftsbank wurde bereits 1974 gegründet und ist damit die älteste Spezialbank für ethisch-ökologisch orientierte Geldanlagen in Deutschland. Sie arbeitet nicht gewinnorientiert und ist förderungsorientiert.

Umweltbank

Die Umweltbank verbindet ökologische und soziale Verantwortung mit dem Streben nach Gewinn. Sie wurde 1995 als Direkt- und Beraterbank gegründet. Im Angebot sind sowohl ethisch-ökologische Investmentfonds als auch Direktbeteiligungen oder ausgewählte Aktien von jungen Unternehmen aus der Umweltbranche.

Weitere ethisch-ökologisch orientierte Banken sind die ABS Alternative Bank Schweiz und die BCL Freie Gemeinschaftsbank.

Neben diesen ethisch-ökologisch orientierten Banken führen inzwischen alle großen Banken nachhaltige Investments. Dazu zählen beispielsweise die Bank Sarasin, Deutsche Bank, Credit Suisse Group oder Swisscanto.

Weitere Akteure

Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V.

CRIC versteht sich als Verein für ethisch orientierte private Investoren und institutionelle Kapitalanleger wie Landeskirchen, Hilfswerke, Stiftungen, NGOs, Banken und Versicherungen. Er soll als Forum dienen, um ethisches Investment zu fördern und Kapitalanlegern konkrete Hilfestellungen zu geben. Der Verein entstand im Zusammenhang mit dem Projekt "Ethisch-ökologisches Rating", das den Frankfurt-Hohenheimer-Leitfaden entwickelt hat.

Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V.

Seit über 20 Jahren ist der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre die Vertretung von sozial und ökologisch orientierten Kleinaktionären. Der Dachverband setzt sich aus mehreren Dutzend Einzelorganisationen zusammen und vertritt die Stimmrechte von rund 5.000 Aktionären. Er setzt sich u.a. für weltweite Sozialstandards, Umwelt- und Klimaschutz ein.

European Social Investment Forum (Eurosif)

Eurosif ist ein europaweiter Zusammenschluss, der nachhaltiges Investment und Corporate Governance auf europäischer Ebene voranbringen möchte. Neben den nationalen Foren in Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden und den Niederlanden zählen Pensionsfonds, Finanzdienstleister, wissenschaftliche Institute, Research-Agenturen und NGOs zu den Mitgliedern. Über seine Mitglieder verkörpert Eurosif Anlagen im Wert von über 600 Milliarden Euro. Das Forum bietet auf seiner Internetseite zahlreiche Information zum nachhaltigen Investment und betreibt europaweite Initiativen zur Promotion und Erläuterung von SRI und Corporate Governance.

Forum nachhaltiger Geldanlage (FNG) e.V.

Das FNG ist ein Zusammenschluss von knapp 100 Unternehmen und Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich für nachhaltige Geldanlagen einsetzen. Übergeordnetes Ziel ist, die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen zu fördern und die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für diese zu verbessern. Nachhaltige Geldanlagen sollen sowohl in der Finanzdienstleistungsbranche und der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden. Das FNG gibt u.a. einen Newsletter heraus, der auf der Internetseite zu bestellen ist und veröffentlicht Studien, wie z.B. den Statusbericht Nachhaltiger Anlagemarkt 2008. Es ist Gründungsmitglied von Eurosif und orientiert sich am Vorbild des UK Social Investment (UKSIF)

nachhaltiges-investment.org

Die Plattform nachhaltiges-investment.org bietet umfassende Informationen zum Thema nachhaltiges Investment von allen im deutschsprachigen Raum zugelassenen Publikumsfonds über die wichtigsten Aktien-Indizes bis hin zu einigen Rating Agenturen. Sie will die Transparenz von sowie den Dialog über nachhaltiges Investment fördern und Analysten, Fondsmanagern, privaten und institutionellen Investoren, Index-Anbietern, Managern, NGOs sowie Journalisten und der Öffentlichkeit einen Marktüberblick verschaffen. Die Plattform ist Ergebnis eines Forschungsprojekts des Sustainable Business Institute (SBI) an der European Business School.