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Nachhaltigkeitsberichte bald obligatorisch?

13. Mai 2011

Die Frage, ob Unternehmen verpflichtend über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten sollten, wird auf europäischer Ebene aktuell intensiv diskutiert. Ein Artikel der österreichischen Unternehmensplattform für CSR und Nachhaltige Entwicklung respACT - austrian business council for sustainable development fasst die aktuellen Entwicklung in Europa zusammen.

Die Europäische Kommission arbeitet zur Zeit an einem Gesetzesvorschlag, der die Transparenz von Unternehmen hinsichtlich ihrer sozialen und ökologischen Performance über alle Sektorgrenzen hinweg fördern soll.

Während im Jahr 1992 noch kaum Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht wurden, gehen aktuelle Studien davon aus, dass mittlerweile pro Jahr rund 4.000 Nachhaltigkeitsberichte weltweit erscheinen. Die nationale Gesetzgebung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung unterscheidet sich allerdings von Land zu Land. Die gesetzlichen Vorgaben von Seiten der EU sind bisher relativ gering. Eine neue Richtlinie der Europäischen Kommission zu diesem Thema könnte unter Umständen bereits 2012 veröffentlich werden.

Unzufriedenheit mit derzeitiger Situation
Eine Umfrage unter 259 Stakeholder-Organisationen der Europäischen Kommission (Unternehmen, KonsumentInnen, NGOs, Behörden, Wissenschaft, BuchhalterInnen und AuditorInnen) zeigt, dass 50% der Befragten die aktuell sehr unterschiedlichen nationalen Regelungen als „poor or very poor“ erachten. Probleme bereitet über alle Ländergrenzen hinweg der Faktor Transparenz. Shareholder und Investoren kritisieren die mangelnde Vergleichbarkeit der Berichte.

Wie könnten die Vorgaben der EU aussehen?
Ziel der Kommission ist es, dass Unternehmen der Gesellschaft gegenüber transparent von ihren CSR Aktivitäten berichten. Der Nachhaltigkeitsbericht soll dabei als Managementtool dienen, um CSR innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu etablieren. Die gesetzlichen Vorgaben könnten dabei bedeuten, dass Unternehmen ab einer gewissen Größe und/oder öffentliche Unternehmen zur Berichterstattung verpflichtet werden. Sollten sie dies nicht tun, ist es zumindest – wie derzeit auch in Dänemark – erforderlich, eine Erklärung abzuliefern.

Aus der kürzlich durchgeführten Stakeholderbefragung der Kommission wurde deutlich, dass die Kommission bei der Entwicklung der Richtlinien folgende Anforderungen der Stakeholder berücksichtigen sollte:

Ländervergleich
Seit 2005 sollen Europäische Unternehmen - so die Modernisation Directive der Kommission - "to the extent necessary for an understanding of the development, performance or position, include both financial and, where appropriate, non-financial key performance indicators relevant to the particular business, including information relating to environmental and employee matters". Nahezu alle EU-Staaten haben diese Richtlinie in die nationale Gesetzgebung übernommen. Dabei haben alle Länder bis auf Spanien, Litauen und Portugal von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, KMU von der Anordnung auszuschließen.

Frankreich hat 2001 eine Vorreiterrolle diesbezüglich übernommen. Im Moment sind Dänemark, Spanien und Schweden sehr bemüht, die Nachhaltigkeitsberichterstattung in ihren Ländern zu forcieren. So müssen beispielsweise in Dänemark die 1.100 größten Unternehmen und staatliche Betriebe Informationen über ihre CSR-Aktivitäten veröffentlichen. Allerdings erfolgt dies nach dem "comply or explain"-Prinzip, d.h. sollten sie nicht berichten, müssen sie erklären, warum nicht. In Schweden sind alle öffentlichen Unternehmen dazu verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Aber auch andere Länder haben freiwillige Standards oder Richtlinien, um Nachhaltigkeitsberichte in Unternehmen zu fördern.

Verpflichtende Berichterstattung für große und/oder öffentliche Unternehmen könnte also bald auch in Österreich zum Thema werden.

Der Artikel erschien zuerst am 11. Mai 2011 auf der Internetseite von respACT und wurde mit freundlicher Genehmigung des Autos zur Verfügung gestellt.


Weiterführende Informationen

Public Consultation on Disclosure of Non-financial Information by Companies
Öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission, Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen, zur Offenlegung von Informationen nicht-finanzieller Art durch Unternehmen.

Internetseite der Konsultation und eingereichte Beiträge

Kurzbericht zu den eingereichten Beiträgen (119KB)

The State of Play in Sustainability Reporting in the European Union
Im Auftrag der der Europäischen Kommission, Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration, erstellte Studie zur Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa und bestehender rechtlicher Vorgaben.

The State of Play in Sustainability Reporting in the European Union (2,1MB)

Reporting Change: Readers & Reporters Survey
Im Auftrag der Global Reporting Initiative (GRI) von KPMG, SustainAbility und Futerra erstellte Studie zu den Lesererwartungen an Nachhaltigkeitsberichte und dem Nutzen für Unternehmen.

Reporting Change: Readers & Reporters Survey (4,6MB)

Dialog Deutscher Nachhaltigkeitskodex
Durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung initiierter öffentlicher Dialogprozess zur Entwicklung eines Finanzmarkt-Instruments zur Bewertung der Unternehmensperformance.

Internetseite Dialog Deutscher Nachhaltigkeitskodex und eingereichte Beiträge

Entwurf Deutscher Nachhaltigkeitskodex (172KB)


Weiteres zum Thema

www.respact.at