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Soziale Verantwortung von Unternehmen wichtiges Thema auf dem Weltgipfel in Johannesburg

26. August 2002

Im Vorfeld des heute beginnenden Johannesburg-Gipfels hat sich eine heftige Debatte zur Frage entwickelt, ob die soziale Verantwortung insbesondere multinationaler Unternehmen rechtlich kodifiziert werden soll. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), amnesty international und Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED) verlangen global gültige soziale, ökologische und menschenrechtliche Regeln für multinationale Konzerne.

Da die Tätigkeit dieser Unternehmen gravierende Auswirkungen habe, müssten sie verpflichtet werden, für die umfangreichen Folgen ihrer Aktivitäten einzustehen. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der drei Organisationen: "BUND, amnesty und WEED fordern eine verbindliche internationale Konvention zur Unternehmensverantwortung, in der ethische Standards für wirtschaftliches Handeln festgelegt sind. Dazu gehöre die Verpflichtung der Unternehmen, umfassend über die ökologischen und sozialen Folgen ihrer Tätigkeit öffentlich Bericht zu erstatten. Bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte müssten dabei in ihrer Gesamtheit und Unteilbarkeit geachtet und gefördert werden. Von wirtschaftlichen Projekten Betroffene seien an entsprechenden Entscheidungen zu beteiligen. Anwohner und Gemeinden sollten ein verbrieftes Recht auf die natürlichen Ressourcen erhalten, die sie für eine menschenwürdige und nachhaltige Lebensweise benötigen. In Streitfällen müssten sie die Möglichkeit bekommen, Unternehmen auch in deren Heimatländern zu verklagen. Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Das Verhalten global agierender Unternehmen trägt entscheidend dazu bei, dass sich viele Umweltprobleme in der Welt verschärfen. Ein internationales Abkommen über soziale und ökologische Normen für die Wirtschaft kann helfen, diesen Trend zu stoppen. In Johannesburg muss die Bundesregierung deshalb ein solches Abkommen auf den Weg bringen." Die Organisationen stellen fest, dass Entwicklung in vielen Ländern der Erde durch gravierende Menschenrechtsverletzungen unter Beteiligung multinationaler Konzerne gefährdet ist. "Ohne die Verwirklichung der Menschenrechte in ihrer Gesamtheit und Unteilbarkeit ist eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich", so Dr. Mathias John, Experte für Wirtschaft und Menschenrechte bei amnesty international. "Multinationale Konzerne haben die Verpflichtung, wirtschaftliche und soziale, aber auch bürgerliche, politische und kulturelle Rechte in ihrer Geschäftstätigkeit sicherzustellen und sich im breiteren gesellschaftlichen Rahmen für die Menschenrechte einzusetzen." Heidi Feldt, Vorstandsmitglied von WEED: "Es sind vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern, die unter ökologischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen am meisten leiden. Manche Unternehmen wollen zwar mit Einzelbeispielen demonstrieren, dass sie ökologisch und sozial verantwortlich handeln. Diese isolierten Aktivitäten greifen aber zu kurz und lassen die schwarzen Schafe unbeeindruckt. International verbindliche Regeln für alle Unternehmen sind daher notwendig." Die beteiligten Nichtregierungsorganisationen unterstützen die Forderungen für eine Konvention zur Unternehmensverantwortung jeweils im Rahmen ihrer eigenen Aufgabenstellungen und Mandate."


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