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"Moral in die Kostenrechnung!"

30. September 2002

Konzernskandale und Kursverfall beleben die Debatte um Moral, Ethik und Verantwortung in der Unternehmensführung. In einem Zeit-Interview äußert sich dazu der Mitinitiator von UPJ Dr. Bernhard von Mutius unter dem Titel: "Moral in die Kostenrechnung." Zum gleichen Thema im Interview der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Brand Eins der katholische Wirtschaftsethiker Karl Homann: "Den Eigennutz bekommen wir nicht weg."

Bernhard von Mutius: Man kann Vertrauen nicht einfach schaffen, schon gar nicht durch kurzfristige Maßnahmen. Das ist in der Wirtschaft nicht anders als in der Politik. Man kann Vertrauen auch nicht kaufen. Aufmerksamkeit kann ich kaufen, Kontakte kann ich kaufen, PR-Berater kann ich kaufen. Aber Vertrauen muss ich mir durch anhaltende Leistung erarbeiten - durch solides Management, fortwährende Innovation, beharrliche Bemühungen um Produktivitätssteigerungen bei gleichzeitigen Qualitätsverbesserungen und nicht zuletzt durch die sorgsame und respektvolle Gestaltung von Beziehungen. Vertrauen hat also etwas mit Zeit zu tun: mit Geduld und Langfristigkeit. Diese Tugenden standen zuletzt niedrig im Kurs. Aber gerade in einer Epoche der permanenten Beschleunigung gilt: Wer der Schnellste sein will, muss sich viel Zeit nehmen, es zu werden.

Karl Homann: Die ökonomische Theorie sagt: Das Verhalten wird vom Eigeninteresse bestimmt. Und Gier ist – analytisch – nichts anderes als eine bestimmte Form von Eigeninteresse. Diese Motivation wechseln wir nicht aus, die kriegen wir nicht weg. Wenn nun aber die Gier in den Mittelpunkt der Debatte gerückt wird, könnte es so aussehen, als gehe es einfach nur darum, das Eigeninteresse abzumildern und darüber die Wirtschaft zu steuern. Genau das kann man nicht.


Weiteres zum Thema

Das ganze Zeit-Interview mit Bernhard von Mutius

Das ganze brand eins-Interview mit Karl Homann