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Influencing Power: Reviewing the conduct and content of corporate lobbying

11. August 2005

Jeder zweite der 100 größten Weltkonzerne gibt sich verschlossen wie eine Auster, wenn es um Fragen zu seiner politischen und gesellschaftlichen Lobbyarbeit geht. Zu diesem Resultat kommt eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation WWF und des britischen Thinktank SustainAbility. "Viele Unternehmen haben zwei Gesichter", schreiben die Autoren der Studie. Sie stießen bei ihrer Untersuchung "auf eine undurchsichtige Welt", in der sich Firmen nach außen hin zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen, "hinter verschlossenen Türen aber alles tun, um politische Prozesse für eine nachhaltige Entwicklung zu bremsen oder zu verhindern".

In ihrer Studie "Influencing Power" ordnen die Autoren die Firmen mehreren Kategorien zu – abhängig davon, wie offen und regelmäßig das Unternehmen über Aktivitäten und Ausgaben für seine politische und gesellschaftliche Lobbyarbeit informiert. Die größte Transparenz fanden die Autoren bei britischen, US-amerikanischen und niederländischen Konzernen, am verschlossensten gaben sich Firmen aus Japan und Frankreich. 49 der 100 Konzerne stellen über ihre Aktivitäten, mit denen sie Einfluss auf die Politik nehmen, überhaupt keine Informationen zur Verfügung. Darunter sind vier der neun untersuchten deutschen Unternehmen: Siemens, E.on, Allianz und Deutsche Bank.

Überrascht zeigten sich die Autoren darüber, dass 51 der Konzerne zumindest Basisinformationen über ihre politischen Aktivitäten liefern. Das sei vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen und "ein deutlicher Fortschritt". Dennoch beständen die meisten explizit auf ihrem Recht zur nicht-öffentlichen Lobbyarbeit und zu Aktionen, mit denen sie spezifische Firmeninteressen verfolgen. Nur wenige Unternehmen hätten erkannt, betont SustainAbility, dass gesellschaftliche Verantwortung einen kritischen Dialog mit der Öffentlichkeit einschließt und dass eine offene, transparente Informationspolitik die Basis bildet für die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens und damit auch für dessen Wettbewerbsfähigkeit.

Die Autoren werben in ihrer Studie für einen neuen Ansatz für Corporate Social Responsibility: Lobbyarbeit sollte nicht mehr hinter verschlossenen Türen stattfinden, sondern als Werkzeug dienen, um gemeinsam mit der Politik langfristig tragfähige soziale und ökologische Rahmenbedingungen zu schaffen, von denen nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Unternehmen selbst profitiert. (Quelle: Newsletter des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 11.8.05)

 


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Download der Studie auf der Internetseite von SustainAbility