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Finanzprofis fordern stärkere Berichtspflicht

18. September 2009

Investoren fordern von Unternehmen standardisierte Berichte über ihre öko-sozialen Risiken und Leistungen. Diese seien so wichtig für Firmenerfolg und -bewertung, dass transparente, nachvollziehbare Informationen nötig seien. Doch die Unternehmen sperren sich, erläutert ein Beitrag im Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments.

"Wir sehen es als Pflicht über die entscheidenden, quantifizierbaren öko-sozialen Risiken, Chancen und Leistungen zu berichten", sagte Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), vergangene Woche auf der Konferenz der europäischen Branchenorganisation EFFAS zur Integration extrafinanzieller Kriterien in Frankfurt. Weder Nachhaltigkeitsberichte noch Lageberichte genügten den Erfordernissen von Investoren, Finanzanalysten und Kreditgebern.

Deutsche Unternehmen und der Bundesverband der Deutschen Industrie lehnen verbindliche Vorgaben mehrheitlich ab, ermittelten das Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensinitiative Future e.V.. Ein Viertel der 60 befragten Firmen spricht sich aber für eine Berichtspflicht aus. Sie könne die Nachhaltigkeitsleistung der Wirtschaft steigern.

Die EFFAS verlangt nicht unbedingt eine Regulierung, aber eine Standardisierung. Sie übernahm das DVFA-System zentraler Leistungsindikatoren (KPI). Obwohl Unternehmen diese kennen, orientieren sie sich nur langsam und zögerlich daran. "Nur Solarworld gibt im Geschäftsbericht sehr übersichtlich Ergebnisse für die KPI und begründet, falls dies mal nicht möglich ist", lobt Frank. "Weil Unternehmen meist nur berichten, wenn sie mit klaren Anforderungen konfrontiert werden, werden wir unsere so konkretisieren, dass Unternehmen diesen nicht ausweichen können. Investoren werden es nicht Unternehmen überlassen zu entscheiden, mit welchen Daten sie sich als Kunden zufrieden geben."

Immer mehr Finanzprofis sehen das so und erhöhen den Druck. Eurosif - ein europäisches Netz von Großanlegern, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen - will Konzerne zur systematischen Offenlegung von Nachhaltigkeitsleistungen verpflichten und unterstützt nun den Kriterienkatalog der DVFA. Das International Corporate Governance Network (ICGN) verweist laut Vorstand Frank Curtiss ebenfalls darauf und verzichtet auf die Entwicklung eigener Indikatoren.

Institutionelle des Investor Network on Climate Risk (INCR) haben im Juni von der US- Börsenaufsicht SEC schärfere Regeln gefordert. Weil viele gelistete Unternehmen zu wenig über Klima-, ökologische sowie soziale Risiken ihres Geschäfts informierten, müsse die SEC Transparenz verlangen, damit Anleger Risiken in ihren Portfolios aufdecken könnten. Im INCR sind 80 Investoren, die laut eigenen Angaben sieben Billionen US-Dollar verwalten.

Auch Unterzeichner der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN PRI) verlangen eine fundierte Berichterstattung. "Ohne umfassende Informationen kann kein institutioneller Anleger die volle Verantwortung für seine Investitionen übernehmen", erläutert Harry Hummels, Direktor des niederländischen Vermögensverwalters SNS Management. Investoren und Anleger müssten mündiger werden und Forderungen an Unternehmen und Altersversorger stellen, sagte Gianluca Manca von der italienischen Eurizon Capital in Frankfurt. Auch der regulatorische Druck müsse steigen. Es reiche nicht, dass Unternehmen heimische Standards nur zuhause erfüllen müssten, sie seien auch für - teils schlimme - Arbeits- und Umweltverhältnisse bei Zulieferern in Entwicklungs- und Schwellenländern zur Verantwortung zu ziehen.

Ein Beitrag von Susanne Bergius. Zuerst erschienen im "Handelsblatt Business Briefing zu Nachhaltigen Investments" vom 18. September 2009.


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