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"Es gibt keinen Business Case von CSR!"

22. August 2006

Der britische CSR-"Guru" Mallen Baker, Development Director von Business in the Community, setzt sich in einem aktuellen Artikel provokant mit einer der am häufigsten gestellten Fragen der Debatte um CSR auseinander: Was ist der Business Case von CSR?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: es gibt keinen Business Case von CSR. Das mag überraschend klingen, folgt man jedoch Bakers Ausführungen wird sehr schnell klar, was er in seinem Artikel sagen möchte. CSR, so Baker, ist wie Marketing oder Outsourcing auch, ein Prozess und für einen Prozess – als die Summe vieler potentieller Handlungsmöglichkeiten – kann es keinen Business Case geben. Letztendlich liege es an der Umsetzung, d.h. an den Verantwortlichen, ihrer Einstellung und ihrem Engagement, ob ein Konzept funktioniert oder nicht.

Baker bezieht sich zudem auch auf die komplexen Beziehungen zu den Stakeholdern als eine der Charakteristika der CSR und stellt die Frage: "So why is it that we think that CSR (..) can be granted a single business case?"

Für Baker zeigt dies, dass noch nicht verstanden wurde, dass CSR kein „entweder oder“ ist sondern vieles beinhalten könne: Entscheidungen, Konflikte, Nutzen aber auch Katastrophen.

Bevor Baker argumentativ weiter ausholt, definiert er den Begriff Business Case aus seiner Sicht. Ein Business Case sei schlicht die rationale Antwort auf die Frage: Warum bringt eine bestimmte Maßnahme mehr Profit als sie kostet? Für Baker ist dies eher eine theoretische Frage. Praktisch bedeutet es keinesfalls, dass der Profit tatsächlich realisiert wird. Was der Business Case laut Baker jedoch niemals sein könne, sei der klare und eindeutige Beweis dafür, dass durch das Einschlagen bestimmter Handlungswege die gewünschten Resultate garantiert erreicht werden können. Darin sieht Baker auch oft den Ursprung des logischen Fehlers den viele Menschen beim Thema CSR machen. Viele meinten, für einen stichhaltigen Business Case im Bereich der CSR müsse es Beweise geben. Dies wird allerdings sonst in keinem Bereich so nachhaltig gefordert. Denn müssten stetig alle Unternehmen einen Business Case für ihre weit reichenden Entscheidungen beweisen, dürfte kein Unternehmen jemals von seiner prognostizierten Performance abweichen.

Mallen Baker meint damit aber nicht, dass es zum Business Case nichts zu sagen gäbe. Er sieht dabei drei wichtige mögliche Nutzendimensionen, die er umfassender beschreibt: Risk Management, Markenidentität und die Wirkungen auf Mitarbeiter. Abschließend, gibt er allen CSR-Praktikern folgenden Ratschlag: “Overall, however, if anyone asks you ‘what’s the business case for CSR’ you should confidently and unapologetically tell them that there isn’t one, and that in any case they’re asking the wrong question. If they can just work out what question they really want to ask, then they’ll find that they get a much more helpful answer.”


Weiteres zum Thema

 Der vollständige Artikel auf der Internetseite von Mallen Baker: So what's the business case for corporate social responsibility?