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Vergessen Sie Johannesburg! - John Ruggie über den Weltgipfel in Johannesburg und den Global Compact

10. August 2002

In einem Zeit-Interview kritisiert Harvard-Professor John Ruggie die schlechte Vorbereitung des Welgipfels durch die teilnehmende Staaten und verteidigt den Global Compact gegen Kritiker.

Ruggie über seine Erwartungen für den Weltgipfel in Johannesburg: "Ich erwarte wenig - Johannesburg kann man weitgehend vergessen. [...] Manche Aktivisten hof- fen, dass verbindliche Regeln für das Verhalten von Unternehmen verabschiedet werden. Doch so weit wird es nicht kommen. Denn die Regierungen haben den Gipfel schlicht verdrängt. Sie sind so schlecht organisiert, und sie haben so wenig vorbereitet, dass er auf viele wie eine Show der Konzerne wirkt. Für Generalsekretär Kofi Annan entwarf Ruggie den Global Compact: "Der Compact sollte Gesetze nie ersetzen. Er ist ein Anfang, allemal besser als ewige politische Verhandlungen ohne Ergebnis. Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, weil sie schneller reagieren als die nationalen Bürokratien. Wenn die Regierungen ihre Arbeit machen und im Sinne ihrer Gesellschaft handeln würden, hätten wir viele der globalen Probleme nicht. Hingegen verhalten sich heute schon viele Unternehmen in der Dritten Welt bewusst anständig. BP und Shell benehmen sich beispielsweise besser als Exxon. Warum sollen wir das nicht nutzen, um bestimmte Regeln aufzuschreiben und allen damit zu signalisieren: Es gibt richtiges und falsches Benehmen. Irgendwann werden Unternehmen dann auf die Allgemeinverbindlichkeit dieser Normen drängen - und die Zauderer geraten unter Druck. Sie können schlicht nicht mehr behaupten: Das geht doch nicht."


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Das ganze Zeit-Interview mit John Ruggie

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