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Defizite im deutschen Finanzsektor bei Umwelt- und Klimaschutz

09. Mai 2017

Eine Studie von Facing Finance "Alles im grünen Bereich? Klima- und Umweltschutz auf dem Abstellgleis deutscher Banken" analysiert anhand von Fallbeispielen, inwiefern die fünf größten deutschen Banken Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen pflegen, die für ihre Umwelt- und Klimaschäden in der Kritik stehen.

Demnach schneiden die größten deutschen Banken bei der Verankerung von Klimaschutz bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen mangelhaft ab. Während die Finanzierung von neuen Kohlekraftwerken und Kohleminen zwar zum Teil ausgeschlossen wird, bleibt die Förderung der fossilen Brennstoffe Öl und Gas nach wie vor unberücksichtigt. Auch andere Industrien, die stark zur Klimazerstörung beitragen, werden derzeit von deutschen Banken nicht ausreichend in der Risikobetrachtung berücksichtigt. Diese „business as usual“-Mentalität der Banken ignoriert zudem Warnungen zahlreicher Studien, die den Finanzdienstleistern ein erhebliches finanzielles Risiko voraussagen, sollten sie sich weiter an CO₂-intensiven und damit klimaschädlichen Branchen beteiligen.

Besonders auffällig ist die Beteiligung der deutschen genossenschaftlichen DZ Bank an der Finanzierung von Kohlekraftwerksprojekten in Vietnam. Um den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu begrenzen, wozu sich die internationale Staatengemeinschaft im Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat, dürften ab 2017 keine Investitionen in den Bau neuer Kohlekraftwerke getätigt werden. Die DZ Bank torpediert daher mit derartigen Finanzierungen die internationalen Klimaschutzziele. Andere deutsche Banken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank haben bereits erste Schritte unternommen und zumindest einen teilweisen Ausstieg aus der Finanzierung von Kohle beschlossen.

"Auch Unternehmen, die ihre Umsätze nicht mit fossilen Brennstoffen erzielen, jedoch durch hohe CO₂-Emissionen das Klima schädigen, stellen ein zusätzliches finanzielles Risiko für Banken dar", erklärt Jan Schulz von Facing Finance, Co-Autor der Studie. Die Zementindustrie ist nur ein Beispiel dafür: Sie ist für 5% der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, die Produktion einer Tonne Zement verursacht allein 600 Kilogramm CO₂. "Dennoch sind die größten deutschen Banken an Finanzierungen und Investments u.a. in den deutschen Zementhersteller HeidelbergCement beteiligt und tragen so zu Klimaschäden bei", beklagt Schulz.

Die vom Umweltbundesamt finanzierte Studie ruft auch Bankkundinnen und Bankkunden dazu auf, für ihre eigenen Geldanlagen Verantwortung zu übernehmen um zu verhindern, dass deutsche Banken direkt und indirekt Umweltzerstörung und Klimaschäden fördern. Die Studie hält hierzu Handlungsoptionen bereit.

Für die Studie wurden die fünf größten deutschen Banken bezüglich ihrer Beteiligung an exemplarischen Fällen von Umwelt- und Klimaschäden untersucht.


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