UPJ (Druckversion): forschung_detail

Synergien und Konflikte zwischen den Sustainable Development Goals (SDGs)

27. Mai 2017

Wechselwirkungen zwischen den 17 SDGs können sowohl zu Synergien als auch zu Konflikten führen. Der Bericht "A Guide to SDG Interactions: from Science to Implementation", den das International Council for Science (ICSU) vorgelegt hat, liefert eine detaillierte Analyse von vier Zielen in ihrer Beziehung zu anderen Nachhaltigkeitszielen.

Folgende vier Zielen wurden auf ihre Synergien und Konflikte mit weiteren SDGs hin untersucht: Nahrungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft (SDG 2), Gesundheit und Wohlbefinden (SDG 3), bezahlbare und nachhaltige Energie (SDG 7) sowie Meeresschutz (SDG 14). Ein internationales Autorenteam aus 22 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wandte dafür eine 7-Punkte-Skala an, die von +3 für hohe Synergieeffekte bis zu -3 für erhebliches Konfliktpotenzial reicht. Auf Basis fachlicher Expertise und wissenschaftlicher Literatur wurden so die Interaktionen zwischen einem Eintrittsziel und allen anderen Ziele bewertet.

Die Punktzahl, die am häufigsten zugewiesen wurde, ist +2 ("Verstärkung"). Die Bewertung identifizierte insgesamt 316 Ziel-Level-Interaktionen, von denen 238 positiv, 66 negativ und 12 neutral sind. Somit haben die meisten Ziele positive Auswirkungen auf andere Ziele, dies jedoch in unterschiedlichem Maße. Die Analyse fand keine grundlegenden Inkompatibilitäten zwischen den Zielen, allerdings identifizierte sie eine Reihe von potenziellen Einschränkungen und Konditionalitäten.

Eine der stärksten positiven Beziehungen besteht, laut den Autoren, zwischen dem Zugang zu bezahlbarer und nachhaltiger Energie (SDG 7) und der Bekämpfung des Klimawandels (SDG 13) sowie zwischen inklusivem Wirtschaftswachstum (SDG 8) und einer guten Gesundheitsversorgung (SDG 3). Elemente des Meeresschutzes (SDG 14), etwa ein Wandel im Tourismus können Arbeitsplätze schaffen und Einkommensarmut verringern (SDG 1).

Die Skala zeigte auch, wo es Konflikte und Kompromisse zwischen SDGs gibt. Zum Beispiel könnten stärkere Regulierungen für die Fischerei zum Schutz der Meeresfauna und -flora (SDG 14) die Nahrungsversorgung (SDG 2) erschweren. Ein weiterer großer Konflikt ist, dass die Nahrungsversorgung für alle (SDG 2) die Bemühungen zur Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen beeinträchtigen (SDG 15) könnte. So könnten die Bemühungen, den Hunger zu beenden und die Ernährungssicherheit zu erreichen, landwirtschaftliche Praktiken beinhalten, die die Verfügbarkeit von sauberem Wasser (SDG 6) und erneuerbaren Energien (SDG 7) einschränken sowie zu Entwaldung und Bodendegradation führen (SDG 15).

Eine sorgfältige Balance zwischen Initiativen zur Erreichung dieser Ziele ist erforderlich. Die systematische Identifizierung und Bewertung von Interaktionen der SDGS soll Entscheidungsträgern helfen, eine in sich schlüssige Strategie für die Umsetzung der Ziele zu entwickeln und einen multisektoralen Dialog anstoßen.

Die Nichtregierungsorganisation ICSU hat den Bericht am 16. Mai offiziell beim "Multistakeholder Forum on Science Technology and Innovation for the SDGs" (STI Forum) vorgestellt. Forschende des Potsdamer Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) und des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" verfassten das Kapitel zum Nachhaltigkeitsziel für die Meere (SDG 14), das sich mit dem nachhaltigen Umgang mit den Ozeanen, Küsten und Meeresressourcen beschäftigt.


Weiteres zum Thema

Zum Bericht