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ZiviZ-Survey 2017: Deutsche Zivilgesellschaft so groß wie nie zuvor

07. Juli 2017

Die Zivilgesellschaft in Deutschland wächst und wird politischer. Die meisten Menschen engagieren sich nach wie vor ehrenamtlich. Die Organisationen leisten einen großen Beitrag zur sozialen Integration, sind aber oft selbst eine geschlossene homogene Gruppe. Das sind die Ergebnisse des aktuellen ZiviZ-Surveys, durchgeführt von ZiviZ (Zivilgesellschaft in Zahlen) im Stifterverband.

Der ZiviZ-Survey ist eine repräsentative Befragung von zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland. Am ZiviZ-Survey 2017 beteiligten sich mehr als 6.300 Vereine, Stiftungen, Genossenschaften und gemeinnützige Kapitalgesellschaften.

Hauptergebnisse:

Zivilgesellschaft wächst weiter: Heute gibt es mehr gemeinnützige Organisationen als je zuvor. Fast jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied in einem von mehr als 600.000 Vereinen in Deutschland. 95 Prozent der gemeinnützigen Organisationen sind Vereine, aber auch Stiftungen und Genossenschaften und andere Organisationsformen nehmen zu. Bei einem Drittel der Vereine stieg die Zahl der Mitglieder im Vergleich zum Jahr 2012. Nur ein kleiner Teil der Vereine gibt an, dass sie weniger Mitglieder und Engagierte haben.

Zivilgesellschaft wird politischer: Die Zivilgesellschaft agiert heute zielorientierter als in der Vergangenheit. Städtische Zivilgesellschaften sind politischer, der ländliche Bereich stärker auf Integration orientiert. Ist das traditionelle Vereinswesen - wie Sport-, Freizeit- und Geselligkeitsvereine - auf dem Land fest verankert, sind in den Städten auch Stiftungen und gemeinnützige Kapitalgesellschaften zu finden. Hier spielen dienstleistungsorientierte oder politisch und sozial ausgerichtete Organisationen eine viel stärkere Rolle.

Fördervereine: Jeder fünfte Verein ist ein Förderverein. Knapp 30 Prozent der heute mehr als 130.000 Fördervereine wurde erst nach dem Jahr 2006 gegründet. Damit ist der Förderverein eines der am stärksten wachsenden Segmente unter gemeinnützigen Organisationen. Fördervereine gibt es besonders häufig im Bildungs- und Erziehungsbereich sowie im Kulturbereich.

Zivilgesellschaft verbindet: Organisationen leisten einen großen Beitrag zur sozialen Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund, das zeigt das Phänomen der Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise. 24 Prozent der gemeinnützigen Organisationen entwickeln gezielt Angebote für Migranten oder Flüchtlinge.

Öffnungsprozesse noch am Anfang: Der Großteil der Organisationen gibt an, Mitglieder und freiwillig Engagierte seien kulturell eine eher homogene Gruppe. Das trifft auf 90 Prozent der Kirchen- und religiösen Vereinigungen zu, aber auch bei den Sport- und Freizeitvereinen sind es über 70 Prozent. Selbst in Organisationen, die in der internationalen Entwicklungspolitik aktiv sind, meinen 75 Prozent der Vereine, ihre Mitglieder haben eine ähnlich kulturelle Herkunft.

Freiwilliges Engagement als tragende Säule: Vereine, Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen verstehen sich als Teil einer autonomen Zivilgesellschaft. Zwei von Drei (64 Prozent) gemeinnützigen Organisationen halten es für richtig und wichtig, dass ihre Arbeit nicht vom Staat sondern von der Gesellschaft geleistet und finanziert wird. Ein knappes Drittel (31 Prozent) meint, ihre Arbeit solle zumindest durch den Staat finanziert werden. Nur 6 Prozent verstehen sich als Ausfallbürge und meinen, ihre eigene Arbeit solle von staatlichen Stellen geleistet werden.

Der ZiviZ-Survey ist die einzige repräsentative Befragung von Vereinen, Stiftungen, Genossenschaften und gemeinnützige Kapitalgesellschaften. Die Geschäftsstelle ZiviZ im Stifterverband hat nach der ersten Umfrage 2012 zum zweiten Mal den ZiviZ-Survey durchgeführt. Die Kurz­studie stellt erste Ergeb­nisse vor, ein umfas­sender Ergeb­nis­band ist für 2018 geplant.


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