Bewertung von Corporate Citizenship und CSR

26. Februar 2005

In der Diskussion um CSR und Corporate Citizenship tritt immer mehr die Frage in den Vordergrund, wie die soziale Verantwortung von Unternehmen genau definiert und operationalisiert werden kann. Es geht nicht allein darum, dass sich Unternehmen sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig verhalten sollen, sondern darum, dieses Verhalten messen und bewerten zu können.

Die Begriffe "Corporate Citizenship" und "Corporate Social Responsibilty" - hierzulande übersetzt als "bürgerschaftliches Engagement" oder "soziale Verantwortung" von Unternehmen - sind noch nicht abschließend definiert. Das verursacht zwar Unklarheiten in der Praxis und in der Debatte und ist wohl Ausdruck des korporatistisch verfassten Verhältnisses von Unternehmen zu ihren Umwelten in Deutschland, ermöglicht aber auch einen offenen Wettbewerb um die besten Konzepte. Gleichwohl wird die deutsche Entwicklung von "Corporate Citizenship" (CC) und "Corporate Social Responsibilty" (CSR) durch die weiter entwickelte Praxis in anderen Ländern der Welt sowie durch Informationsbedürfnisse von an nachhaltigen Investments interessierten Anlegern beeinflusst, denen es nicht mehr um eine Verständigung über CC und CSR, sondern um die Bewertung und Kommunikation von CC- und CSR-Konzepten und Wirkungen geht. Dieser Beitrag bietet daher eine kurze Definition an und gibt einen Überblick über die gängigsten internationalen Richtlinien und Standards, einige Instrumente zur Bewertung von Wirkungen, über Empfehlungen zur Berichterstattung, wichtige Aktienindizes und Rating-Agenturen in diesem Bereich.

Ausgewählte Informationsquellen zu Richtlinien, Standards, Bewertungsinstrumenten, Berichterstattung und Ethischem Investment
Die mit CC und CSR bezeichneten Konzepte lassen sich in zwei Dimensionen kategorisieren: wie "tief" die soziale (und ökologische) Verantwortung in der Unternehmenspolitik verankert, und wie "breit" die Palette an Aktivitäten ist, mit denen ein Unternehmen dieser Verantwortung nachkommt. Das Spektrum wird an den Rändern markiert von der Auffassung, dass ein Unternehmen dann sozial verantwortlich handele, wenn es die gesetzlichen Vorschriften eines Landes einhalte, und auf der anderen Seite von der Haltung, dass ein Unternehmen erst dann als sozial verantwortlich bezeichnet werden könne, wenn es ein rein sozial- und/oder ökologisch-ausgeprägtes Geschäftsmodell verfolgt (z.B. Windenergieerzeuger) und Abläufe und Austauschbeziehungen nach innen und außen ebenfalls sozialen und ökologischen Kriterien genügen.

Unter "Corporate Citizenship" wird die Bündelung aller über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehenden gesellschaftsbezogenen Aktivitäten eines Unternehmens und deren strategische Ausrichtung auf übergeordnete Unternehmensziele verstanden. Ein Unternehmen, das sich als "Corporate Citizen" begreift, sieht sich u.a. in der Rolle des "Bürgers", der - wie die anderen Bürgerinnen und Bürger auch - spezifische Interessen im Gemeinwesen verfolgt und dabei Austauschverhältnisse mit anderen Akteuren im Gemeinwesen eingeht, um eine in seinem Sinne wünschbare Entwicklung des Gemeinwesens zu unterstützen.
Demgegenüber bezieht das sehr viel "breitere" Konzept der "Corporate Social Responsibility" die soziale (und ökologische) Verantwortung von Unternehmen auf alle Bereiche der Unternehmenstätigkeit ? von der eigentlichen Geschäftstätigkeit im engeren Sinne, inklusive aller Wertschöpfungsprozesse, bis hin zu den Austauschbeziehungen mit Mitartbeiterinnen und Mitarbeitern, Zulieferern und Anspruchsgruppen im Gemeinwesen.

Im Hinblick auf die Dimension der Verankerungs"tiefe" sozialer (und ökologischer) Verantwortung in der Unternehmenspolitik geht es darum, in wie weit soziale (und ökologische) Aspekte der Unternehmenstätigkeit in die Gestaltung aller Prozesse und Austauschbeziehungen mit einfließen: Werden soziale (und ökologische) Aspekte dabei eher eng auf die Herstellung und den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen bezogen, oder weit ausgelegt und die Unternehmenstätigkeit in ihrem gesamten ökonomischen, ökologischen und sozialen Gefüge betrachtet? Für die strategische Entwicklung der Unternehmenspolitik aus diesem ökonomischen, ökologischen und sozialen Beziehungsgefüge heraus steht das Konzept der "Triple Bottom Line" (People, Planet, Profit). Demzufolge ist nur durch eine Integration möglichst aller relevanten sozialen (People), ökologischen (Planet) und ökonomischen (Profit) Aspekte in der Unternehmenspolitik nachhaltiger Unternehmenserfolg erreichbar.

Diese Einschätzung scheinen auch immer mehr Investoren zu teilen. Die Verankerung sozialer und ökologischer Verantwortung in einer CC- bzw. CSR-Strategie als essentieller Bestandteil der Unternehmenspolitik ist für eine wachsende Zahl von Anleger/innen auf den internationalen Finanzmärkten offenbar ein Indikator dafür, dass ein Unternehmen die zunehmende Abhängigkeit nachhaltigen Unternehmenserfolgs von Entwicklungen in seinem Umfeld erkennt und über ein Sensorium für solche Entwicklungen verfügt. Damit werden aber auch Instrumente benötigt, die schnell, standardisiert und nachprüfbar Aufschluss über den Entwicklungsstand eines Unternehmens in punkto Nachhaltigkeit - und damit auch über den Entwicklungsstand im Hinblick auf soziale (und ökologische) Verantwortung geben.

Zu allen der i.f. aufgeführten Richtlinien, Standards, Instrumente, Empfehlungen, Aktienindizes und Rating-Agenturen zu CC und CSR sind jeweils Internetressourcen zusammengestellt und am Ende des Beitrags weitere Informationsquellen angegeben. Diesen, den darin angegebenen Quellen, sowie Unterlagen einiger weniger einschlägiger Tagungen und Broschüren sind die hier zusammengestellten Überblicksinformationen entnommen. Zum Teil wird auf Quellen verwiesen, die auf die Bewertung der ökologischen Verantwortung von Unternehmen ausgerichtet sind - ein Bereich, der (auch in Deutschland) schon sehr viel weiter entwickelt ist, weil hier mögliche Entwicklungen bei der Bewertung der sozialen Verantwortung aufgezeigt und eventuell vorweggenommen werden.

Ein Beitrag von Felix Dresewski (Children for a better World e.V.) unter Mitarbeit von Beate Häring, Peter Kromminga und Reinhard Lang (UPJ).