Do it! Service Learning für Studierende

24. April 2008

Im Konzept des "Service Learning" soll ein Lernprozess durch das Engagement im sozialen Umfeld angestoßen werden. Dieses reicht von der Mitarbeit im Altenheim über den Einsatz in Werkstätten für Behinderte bis hin zur Unterstützung der Mobilen Jugendarbeit.

Die Idee dazu stammt aus den USA, wo seit den 90er Jahren verschiedene Programme an Hochschulen angeboten werden, die es Studierenden ermöglichen soziale Lernerfahrungen zu machen. Bei der Umsetzung eines solchen Projektes wird großer Wert darauf gelegt, dass neben den Einsatz im Praxisfeld eine reflekierende Begleitung des Studierenden gewährleistet wird.

Eine Umfrage des DIHK kommt zu dem Schluss, dass Hochschulabsolventen mitunter einen "Nachholbedarf" in puncto soziale Kompetenzen aufweisen. Laut Erhebung trennen sich fast die Hälfte aller Unternehmen schon nach kurzer Zeit wieder von Berufseinsteigern. Als Gründe werden dabei angegeben, dass es Hochschulabsolventen schwer falle, theoretisch erworbenes Wissen in der Praxis umzusetzen. Rund ein Viertel der Unternehmen geben des Weiteren als Trennungsgrund mangelndes Sozialverhalten und schlecht ausgebildete Integrationsfähigkeit an.

Neue Lernprozesse in fremden Lebenswelten
Exakt an diesem Punkt setzt das Projekt Do it! der Agentur mehrwert! an. Im Projektdesign nutzt die Agentur mehrwert ihre eigenen mehrjährigen Erfahrungen mit sozialen Lernprojekten in der schulischen und betrieblichen Bildung und das Know-how, das aus der Diakonie im Feld der Freiwilligendienste kommt. Studierende verlassen ihren Campus und arbeiten im Umfang von 40 Stunden in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen mit. Der Aufbau des Projektes setzt sich aus drei Bausteinen zusammen.

Zu Beginn werden die Teilnehmer in einem halbtägigen Workshop gezielt auf ihren Einsatz vorbereitet. Dazu gehören verschiedene Sensibilisierungsübungen, mit denen die Teilnehmenden lernen sollen, sich besser auf die Menschen in den Einrichtungen einzustellen, aber auch die Klärung eigener Erwartungen und Befürchtungen. Im Anschluss wählen die Studierenden eine Einrichtung selbst aus und nehmen Kontakt zu dieser auf. Die Einrichtung meldet die vereinbarte Zusammenarbeit dann an die Agentur mehrwert. Dabei wird von der Agentur mit Nachdruck darauf geachtet, dass die an Do it! Teilnehmenden nicht als Ersatz für fehlendes Personal herhalten müssen, sondern ein Zusatz zum bestehenden Personal sind. Das Hauptaugenmerk der Nachbereitungsveranstaltung liegt in der Reflexion und Auswertung der gesammelten Eindrücke. Dadurch werden Erfahrungen bewusst gemacht und können zu Erkenntnissen werden, beispielsweise, wie schon einmal erfolgreich in einer Konfliktsituation vermittelt wurde oder welche Bedeutung die nonverbale Kommunikation hat.

Für die Studierenden ergeben sich durch den Einsatz in bis dato fremden Lebenswelten ganz neue Lernprozesse, die bei der Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen beginnen, über die Steigerung des Selbstbewusstseins bis hin zum Erproben neuer Handlungsmuster führen. Ein Studierender an einer Fachhochschule für Wirtschaft und Technik fasst seine Erfahrungen  mit  Do it!  folgendermaßen zusammen: "Es ist wichtig, die eigene Perspektive zu wechseln und nicht nur an die berufliche Karriere oder an Konsum zu denken, sondern mal was Sinnvolles zu machen."

Neben persönlichen Lernprozessen für die Teilnehmer entsteht ebenfalls ein Nutzen für die Hochschulen, welcher unter anderem in der Öffnung der Universitäten gegenüber anderen gesellschaftlichen Sektoren und der Möglichkeit der Imageaufwertung im angestammten Umfeld besteht. Die Teilnahme an einem Do it! Programm birgt für die Hochschulen einen weiteren Vorteil, denn im Rahmen der Einführung des Bachelor-Abschlusses, müssen die Universitäten den Studenten die Möglichkeit zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen liefern. Eben diese können über Do it! erworben und mit einer bestimmten Anzahl von Punkten nachgewiesen werden.

Hochschulen als Corporate Citizens
Als Träger der Do it! Projekte nehmen die Universitäten ihr Engagement in der Gesellschaft wahr und werden somit ein wichtiger Ansprechpartner für soziale Einrichtungen. Darüber hinaus können ebenfalls Sponsoring-Programme zwischen Unternehmen und Hochschulen entstehen. Dabei präsentieren sich die Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber gegenüber den Studierenden. Darüber hinaus stellen die Unternehmen bei einer etwaigen Anstellung der Hochschulabsolventen sicher, dass diese über ausreichend soziale Kompetenzen verfügen. Ein Beispiel für eine solche Kooperation bildet die Unterstützung der Firmen Kärcher und Kienbaum an der Hochschule Esslingen, welche es ermöglicht, dass das Do it! - Programm kostenneutral für die Hochschule angeboten werden kann. Seit 2007 wird Do it! zudem von der Robert-Bosch Stiftung finanziell unterstützt.

Der Agentur mehrwert ist es gelungen, das Do it! Programm an rund 20 Hochschulen und Universitäten deutschlandweit zu etablieren. Ebenfalls gibt es einen Zuwachs in der Teilnehmerzahl unter den Studierenden. Dass sich die Hochschulen und Universitäten ihrer neuen Rolle bewusst sind, zeigt beispielsweise das Engagement der Universität Duisburg-Essen im "Uniaktiv"-Zentrum, welches sich mit gesellschaftlichem Lernen und sozialer Verantwortung auseinander setzt. Des Weiteren zeigt das Interesse der Hochschulen, das Do it! Programm auch ohne die Unterstützung der Agentur weiterzuführen, die Aktualität und Wichtigkeit des Themas. Diese Weiterführung wird durch das Do it!: "Train the Trainer"-Programm, welches seit April 2008 angeboten wird, unterstützt. Bei diesem werden Multiplikatoren angeleitet und ausgebildet um das Projekt selbstständig weiterführen zu können.

Ein Beitrag von Gabriele Bartsch und Marie Felicitas Busch von der mehrwert gGmbH. mehrwert ist Mitglied im UPJ-Mittlernetzwerk.