Engagierte Bürger und Unternehmen gründen Kinder- und Familienstiftung in Melsungen

23. Juni 2005

Mit der Übergabe der Stiftungsurkunde am 21.6. in der Stadthalle Melsungen erteilte der Leiter der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium Kassel der Anfang d.J. gegründeten "Stiftung kinder- und familienfreundliches Melsungen" die staatliche Anerkennung.

Damit geht ein bundesweit neues Fördermodell für kinder- und familienfreundliche Kommunen an den Start, dessen Ziel Stiftungsanstifter Ludwig Georg Braun, Chef des Melsunger Medizintechnik-Unternehmens B. Braun und zugleich DIHK-Präsident, so formulierte: "Wir sollten in der Stadt ein Umfeld schaffen, das es möglich macht, sich für Kinder und Familie zu entscheiden. Und das insbesondere Frauen die Befürchtung nimmt, durch die Gründung einer Familie einen Bruch in der beruflichen Entwicklung hinnehmen zu müssen".

Der Stiftungsgründung voraus ging im Rahmen eines vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekts ein einjähriger Klärungsprozeß, in dem zahlreiche engagierte Bürger und Vertreter unterschiedlicher Institutionen ein von der BKK B. Braun-Mitarbeiterin Fritz und der Kita-Leiterin Taylor verfasstes Konzept für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Melsungen diskutierten und konkretisierten. Beraten von dem Vereinbarkeitsexperten und UPJ-Partner Dr. Harald Seehausen formulierte die aus ihm, Gemeindevertretern, Melsunger Väter-Initiative sowie den Konzeptverfasserinnen zusammen gesetzte Steuerungsgruppe folgenden Anspruch: "Unter dem Dach ‚Haus des Kindes' vernetzen sich alle in den Bereichen Erziehung, Bildung, Betreuung und Freizeit tätigen Institutionen, Organisationen und Personen unter Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit. Kinder und Familien in Melsungen erhalten wohnortnah bedarfsgerechte und hochwertige Bildungs- und Betreuungsangebote."

Als bei einer Großveranstaltung im September 2004 Steuerungsgruppe und 28 am Prozeß beteiligte Organisationen ihre Ergebnisse für die Umsetzung dieses Anspruchs formulierten, schlug G.L. Braun als zentrales Finanzierungselement für das neue Netzwerk eine Stiftung vor, an der sich möglichst alle Melsunger Bürgerinnen und Bürger beteiligen sollten. Mit der Entwicklung einer zu diesen Zielen passenden Stiftungsverfassung sowie der Satzung eines die Stiftung unterstützenden Fördervereine, deren Abstimmung mit den Anerkennungsbehörden, sowie der Beratung und Begleitung des Gründungsprozesses wurde der Stiftungsexperte und Leiter des hessischen UPJ-Servicebüros im ISO e.V., Dr. Diethelm Damm, betraut, der die jeweils ca. hundert Teilnehmer an der Informationsveranstaltung im Januar und der Gründungsveranstaltung im Februar d.J. auch in die Feinheiten einer Stiftungs- und Fördervereinsgründung einweihte. Mobilisiert und motiviert von Bürgermeister Karl-Heinz Dietzel, Firmenchef L.G. Braun und den Vertretern des "Hauses des Kindes" beteiligten sich schließlich 68 Melsunger Bürger und Unternehmen als Mitstifter; 70 traten dem Förderverein bei, dessen Funktion es ist, zum einen zusätzliche Mittel für die Stiftung einzuwerben und zum anderen Träger des "Hauses des Kindes" zu werden – wenn denn das Geld dafür zur Verfügung stehen wird.

3 bis 3,5 Mio. Euro wollen die Stiftungs- und Fördervereinsakteure in den nächsten 5 Jahren sammeln - gemäß dem von L. G. Braun entwickelten "Kaskadenmodell": Jährlich soll u.a. auf dem Weg von Haus- und Straßensammlungen jeder Melsunger Bürger mindestens 10 Euro spenden. Einige Unerreichbare abgezogen sollen so jeweils 130.000 € zusammen kommen. Diese Summe soll die Stadt verdoppeln. L. G. Braun will sich dann dafür einsetzen, dass die Wirtschaft dieses Verdoppelte nochmals verdoppelt, was dann jedes Jahr ca. eine halbe Mio. Euro ergeben würde. Was in der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung im Januar d.J. bei vielen Teilnehmern noch ungläubiges Staunen hervorrief, ist inzwischen zupackendem Optimismus gewichen, gelang es doch in den 3 Wochen zwischen erster Informations- und Gründungsversammlung 266.000 Euro Gründungskapital für die Stiftung zu mobilisieren. Zusätzlich stellte die Fa. Braun noch einen Matching Fund von 50.000 € bereit, mit dem jede Zustiftung in d.J. bis zu diesem Betrag verdoppelt werden soll. Damit dies rasch realisiert wird, schwärmen in der letzten Juniwoche über 100 Ehrenamtliche dutzender Vereine und Unternehmen aus, um von Haus zu Haus Zustiftungen zu erbitten.

So kann's gehen, wenn Unternehmen, Gemeinde, gemeinnützige Organisationen und engagierte Bürger an einem Strang ziehen, insbesondere wenn ein ertragsstarkes (Familien-)Unternehmen, das sich seinem Standort verpflichtet fühlt, als Zugpferd die Initiative ergreift. Ein Modell für Deutschland?!