Rückblick Praxistag "Lieferketten verantwortlich gestalten – Über Nachhaltigkeit berichten" in Essen

18. März 2016

Der Praxistag für mittelständische Unternehmen "Lieferketten verantwortlich gestalten – Über Nachhaltigkeit berichten" am 17. März 2016 bei thyssenkrupp in Essen informierte über die wichtigsten Hintergründe des Themas und bot rund 120 Teilnehmenden aus der Unternehmenspraxis einen Rahmen für den fachlichen Austausch.

"Das Verständnis von gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung hat sich in den letzten Jahren deutlich in Richtung einer stärkeren Verbindlichkeit gewandelt", betonte die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Yasmin Fahimi in ihrer Rede beim Praxistag. Das stelle gerade kleine und mittlere Unternehmen vor neue Herausforderungen. Sie seien als Zulieferer zunehmend mit der Forderung konfrontiert, ihre Lieferketten verantwortungsvoll zu managen und transparent über soziale und ökologische Aspekte zu berichten. "Dabei wollen wir sie mit passgenauen Angeboten unterstützen", sagte Fahimi.

Zum Hintergrund: Im Herbst letzten Jahres vereinbarten die G7-Staats- und Regierungschefs in Elmau wichtige Schritte zur Durchsetzung weltweiter Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards. Ab dem Jahr 2017 verpflichtet zudem eine EU-Richtlinie bestimmte Unternehmen, nicht-finanzielle Informationen zu sozialen und ökologischen Auswirkungen im Rahmen der Lageberichterstattung offenzulegen. Angesichts dieser Entwicklungen führen UPJ und econsense mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in mehreren Bundesländern regionale Praxistage durch. Dabei werden die wichtigsten Hintergründe und aktuellen Entwicklungen des Themas vorgestellt, vor allem aber ein Forum für den fachlichen Austausch von Vertretern aus der Unternehmenspraxis geboten.

Staatssekretärin Fahimi machte darauf aufmerksam, dass die operative Umsetzung von Nachhaltigkeit insbesondere in den Einkaufsabteilungen der Unternehmen ein wichtiges Thema geworden ist - etwa wenn es um die Auswahl der Zulieferer gehe oder um die Weitergabe und Kontrolle von Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette. Viele Zulieferer wiederum sähen sich zunehmend durch ihre Auftraggeber aufgefordert, Nachweise zur Erfüllung sozialer und ökologischer Standards zu erbringen. "Deshalb ist es wichtig, Unternehmen darüber zu informieren, wo sie Unterstützung erhalten, warum Brancheninitiativen vorteilhaft sein können und wie andere Unternehmen derartige Herausforderungen erfolgreich bewältigen", so Fahimi weiter.

Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk betonte: "Wer wirtschaftliche Freiheit im globalen Markt in Anspruch nimmt, muss auch Verantwortung für die Folgewirkungen seines Handelns tragen." Vor diesem Hintergrund sei auch die kommende CSR-Berichterstattungspflicht zu sehen. Kleine und mittlere Unternehmen seien von der Berichterstattungspflicht nicht betroffen. Gleichwohl würden auch an sie die Anforderungen an eine größere Transparenz des Unternehmenshandelns steigen: "Mehr Transparenz wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen und kann Teil eines besseren Risikomanagements im Unternehmen sein."

Thomas Fußhöller, Head of Sustainability, Envrionement & Energy Management bei der tyhssenkrupp AG, untersricht in seiner Keynote die wirtschaftliche Bedeutung einer verantwortlichen Unternehmensführung: "Ein Erfolgsfaktor unserer Nachhaltigkeitsstrategie bei thyssenkrupp ist, dass unser Vorstand von Anfang an eingebunden ist und ein starkes Commitment abgibt. Wir haben uns klare und überprüfbare Ziele gesetzt, z.B. bei Energie, Arbeitssicherheit, Frauenquote und Lieferkettenmanagement. Die Verbesserung der Performance liegt im ureigenen Interesse von Unternehmen wie thyssenkrupp. Denn obwohl sie immer eine Anfangsinvestition bedeutet, zahlt sie sich mindestens mittelfristig aus, bei der Steigerung der Energieeffizienz aber auch kurzfristig. Die Transparenz über unsere Leistungen ist dabei selbstverständlich. Der regelmäßige Austausch und eine gute Aufgabenteilung zwischen Wirtschaft und Politik können diese Fortschritte durch geeignete politische Rahmenbedingungen und Programme noch weiter unterstützen."

In vier Workshops vertieften die Teilnehmenden im Anschluss Chancen, Herausforderungen und praktische Umsetzungsfragen verantwortungsvoller und transparenter Lieferketten.

Workshop A: Erste Schritte – Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in mittelständischen Unternehmen

Ralf Hellmann, Geschäftsführer, Dibella GmbH, erläuterte: "Eine verantwortungsvolle und transparente Gestaltung der eigenen Lieferketten ist auch für mittelständische Unternehmen machbar. Für unser Unternehmen Dibella mit seinen rund 30 Beschäftigten ergibt sich daraus ein messbarer finanzieller Vorteil gegenüber unseren Wettbewerben, denn die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten nimmt bei unseren privaten Geschäftskunden langsam, aber stetig zu. Leider gilt dies meist noch nicht für öffentliche Auftraggeber. In Deutschland steht bei der öffentlichen Beschaffung der Preis immer noch vor Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das Ausland ist hier bereits deutlich weiter - und die deutsche Politik in der Pflicht."

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Workshop B: Internationale Arbeits- und Sozialstandards

Lorenz Berzau, Koordinator der deutschen Kontaktgruppe, Business Social Compliance Initiative (BSCI) betonte: "Wir müssen dazu kommen, Nachhaltigkeit als ein strategisches Managementthema zu begreifen - und nicht als PR-Aktion. Fortschritte lassen sich nur im Dialog zwischen Unternehmen innerhalb der Lieferkette einerseits sowie Unternehmen und Stakeholdern wie Behörden und Regierungen andererseits erzielen, die ebenfalls Verantwortung übernehmen."

Daniel A. Hopp, Geschäftsführender Gesellschafter, Hopp KG, erklärte: "Lieferanten vor Ort sind teilweise überfordert, wenn zu den ohnehin hohen Anforderungen an das Produkt noch unflexible und aufwändige Vorgaben zu den Sozialstandards hinzukommen. Wir haben uns einer Brancheninitiative angeschlossen und schaffen damit Synergien, die kleinen Unternehmen helfen."

Manuela Mewes, Nachhaltigkeitsbeauftragte, Kuchenmeister GmbH, sagte: "Für uns ist selbstverständlich, dass wir Arbeits- und Sozialstandards bei unseren Rohstofflieferanten genauso im Blick haben wie im eigenen Unternehmen. Gerade beim umstrittenen Palmöl erkennen wir nur Zertifizierungen mit den höchsten Standards an."

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Workshop C: Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen durch den Einkauf

Rolf Brunkhorst, Manager Sustainability, Schüco International KG, erklärte: "Unser Geschäftsverhalten ist geprägt von Spitzenleistungen unserer Produkte und Dienstleistungen, Verantwortungsbewusstsein und ethischen Grundsätzen. Um die Einhaltung unserer Werte zu gewährleisten und das Bewusstsein für Recht und Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil unseres unternehmerischen Handelns zu stärken, hat Schüco ein Compliance-Programm eingeführt das sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für die Anwendung unserer Lieferanten vorgesehen ist. Darüber hinaus arbeiten wir in verschiedenen Zusammenhängen an einer verantwortlichen Gestaltung der Wertschöpfungsketten im Rahmen der Alumunium Stewardship Initiative (asi) oder der Cradle to Cradle-Zertifizierung (C2C). Für ein nachhaltiges Heute und Morgen."

Daniel Schleifer, Senior Manager Sustainability, Environment & Energy Management, thyssenkrupp AG, sagte: "Nachhaltigkeit nimmt im Lieferantenmanagement von thyssenkrupp eine wichtige Rolle ein. Wir legen bei unseren Vergabeentscheidungen höchsten Wert auf gesellschaftliche sowie ökologische Aspekte und haben intern definierte Prozesse und Verantwortlichkeiten geschaffen. Aus unserer Erfahrung unterscheiden sich die Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Verankerung von Nachhaltigkeit im Einkauf in vielen Bereichen für große Konzerne und mittelständische Betriebe häufig kaum. Von entscheidender Bedeutung ist es, gegenüber Lieferanten seine Erwartungen klar zu kommunizieren, sich erreichbare und überprüfbare Ziele zu setzen sowie sich zunächst auf die wesentlichen Risiken zu fokussieren."

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Workshop D: Offenlegung nicht-finanzieller Informationen und Berichterstattung über soziale und ökologische Auswirkungen entlang der Lieferkette

Michaela Merkel, Marketing Manager, Product Manager Luxus Natur / Assistenz der Geschäftsführung, OneWorld Pardon/Heider OHG, sagte: "Wir messen und kommunizieren den Fußabdruck unserer Erlebnisreisen entlang einer Reihe von Kernindikatoren. Dadurch kommen wir auch ins Gespräch mit unseren Reisegästen über Verantwortung in der touristischen Lieferkette. Dafür schätzen uns unsere Reisegäste."

Janna Carina Bülhoff, Corporate Communications & Public Affairs, ista International GmbH, erläuterte: "ista setzt bereits seit einigen Jahren auf Kontinuität und Transparenz in der CSR Berichterstattung. Durch unsere neue, digitale Plattform INSIDEista (inside.ista.de) ist unsere Berichterstattung jetzt noch schneller, flexibler und nachhaltiger geworden."

Bernhard Grünauer, Sustainability Manager, Sustainability & HSSE, E.ON SE, betonte: "Von börsennotierten Unternehmen wird inzwischen eine sehr umfangreiche Berichterstattung über unterschiedlichste Kanäle erwartet – der klassische Nachhaltigkeitsbericht ist nur noch einer dieser Kanäle. Um parallele Berichtsstrukturen und ausufernden Berichtsaufwand im Unternehmen zu vermeiden, ist eine gute Abstimmung aller beteiligten Abteilungen und eine effiziente Schnittstelle zwischen internen und externen Berichterstattungsprozessen erforderlich."

Download Präsentationen Workshop D Offenlegung nicht-finanzieller Informationen und Berichterstattung über soziale und ökologische Auswirkungen entlang der Lieferkette

Veranstaltungspartner des Praxistage in Essen waren das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen und unternehmer nrw.

Die nächsten Praxistage finden am 21. April in Frankfurt am Main und am 30. Juni in Berlin statt. Weitere Praxistage folgen zudem in der zweiten Jahreshälfte.