CC-Survey: Einsatzbereitschaft von Unternehmen groß, aber Potenzial nicht ausgeschöpft

16. Mai 2018

Zwei von drei deutschen Unternehmen engagieren sich für gesellschaftliche Belange. Nur Arbeitsplätze zu schaffen und Steuern zu zahlen, reicht ihnen nicht aus: Sie engagieren sich über gesetzliche Vorgaben hinaus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Stifterverbands.

Foto: Stifterverband

An dem bundesweiten Corporate Citizenship Survey haben sich 7.368 in Deutschland ansässige Unternehmen beteiligt. Ziel der repräsentativen Befragung ist es, Daten über das Unternehmensengagement in unterschiedlichen Bundesländern, Unternehmensgrößen, Branchen, Engagementbereichen und -themen zu ermitteln.

Für knapp zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland ist regelmäßiges gesellschaftliches Engagement gelebte Praxis. Neun von zehn Unternehmensvertretern sind der Meinung, Unternehmen sollten als Vorbilder wieder stärkere Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Doch die meisten Firmen professionalisieren ihren sozialen Einsatz nicht und empfinden nicht ausreichend Anerkennung für ihr Tun.

Die am weitesten verbreitete Form, sich gesellschaftlich zu engagieren, ist die Geldspende (80 Prozent). Auf Platz zwei rangieren Sachspenden (70 Prozent), gefolgt von Mitarbeiterfreistellungen (56 Prozent). Bei der Mehrheit der befragten Unternehmen erfolgt das Engagement jedoch nicht regelmäßig und selten mit Ziel sowie strategisch verankert. Häufigster Engagementbereich (58 Prozent) sowie Engagementfokus (29 Prozent) sind insgesamt jeweils der Sport. Erst mit deutlichem Abstand folgen andere Bereiche wie z.B. Bildung und Erziehung oder Soziales. Bereiche wie etwa Umwelt, Wissenschaft, Gesundheit oder Internationales spielen beim Engagement einer sehr großen Mehrheit der befragten Unternehmen keine Rolle. Häufige Beispiele für das Engagement kleinerer Unternehmen seien z.B. die Spende für den lokalen oder der Mitarbeitereinsatz bei Bürgerfesten – bei größeren Unternehmen zeichne sich jedoch ein vielfältigeres Bild. 

Nur wenige Unternehmen wissen, wie ihr Engagement wirkt: Selbst unter großen Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern geben nur 16 Prozent an, dass sie ihr gesellschaftliches Engagement evaluieren. In vielen Fällen findet Engagement zudem in nicht kooperativen Strukturen statt, sondern als einzelne Entscheidung des Unternehmers. Wer regelmäßig kooperiert, tut dies mit lokalen Vereinen (48 Prozent). Die systematische Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen findet in den seltensten Fällen statt (sieben Prozent).

Unabhängig von der Organisationsgröße gibt die Mehrheit der befragten Unternehmen an (76 Prozent), dass die Politik ihr Engagement nicht anerkennt. Gerade kleinere Mittelständler würden Steuererleichterungen und Bürokratieabbau begrüßen, damit sie ihr Unternehmensengagement stärken können. Doch neben diesen Rahmenbedingungen appellieren die Unternehmen auch an die Kunden, Kaufentscheidungen stärker vom gesellschaftlichen Verhalten der Unternehmen abhängig zu machen.

"Erfolgreiches gesellschaftliches Engagement von Unternehmern lebt von deren intensiver Vernetzung mit der Region und seinen Bürgern sowie dem sachbezogenen, fairen Dialog zwischen den Interessensvertretungen. Voraussetzungen dafür sind Vertrauen und Verantwortung, Respekt und Wertschätzung. Dann kann ein Schatz gehoben werden, mit dem die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit gemeistert werden und das Unternehmen erhält ein Gesicht in der eigenen Region", so Liz Mohn, die stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Um die Situation zu verbessern und um das Potenzial des unternehmerischen Engagements stärker für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen zu nutzen, sehen die Studienautoren deshalb unterschiedliche Akteure in der Pflicht. Unternehmen sollten beim Engagement zielgerichteter und im Idealfall in Netzwerken vorgehen. Steuererleichterungen und Bürokratieabbau seien zudem durch Bund und Länder zu prüfen. Darüber müssten Kunden, ihre Kaufentscheidungen am gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen ausrichten.

"Ohne die Unternehmen geht es eben nicht. Eine starke Zivilgesellschaft braucht engagierte Unternehmen. Dabei kommt es zu Kooperationen und auch mal zu Konfrontationen und beides ist für unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell wichtig, Zusammenarbeit und Kritikfähigkeit", so Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes.

Neben der Bertelsmann Stiftung und dem Stifterverband haben sich das Unternehmen Boehringer Ingelheim sowie das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat als Themenpartner an der Studie beteiligt. Die Entwicklung des Instruments wurde durch verschiedene Know-how-Partner begleitet, darunter auch UPJ.


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Weitere Informationen und ausführliche Ergebnisse des CC-Survey

Wie Unternehmen speziell das Instrument Corporate Volunteering nutzen und ihr Mitarbeiterengagement managen, hat UPJ im Rahmen einer vor wenigen Wochen erschienen Praxis-Studie „Corporate Volunteering in Deutschland“ bei einer Gruppe erfahrener Unternehmen untersucht.

Download Praxis-Studie „Corporate Volunteering in Deutschland“