Im Gespräch: Ralf Hellmann (Dibella)
Als Teil der Interviewserie mit Mitgliedern des UPJ-Netzwerks stellt Ralf Hellmann, Geschäftsführer der Dibella GmbH, die Nachhaltigkeitsstrategie seines Unternehmens vor. Die Dibella-Firmengruppe liefert europaweit langlebige Objekttextilien, die für den Einsatz in der Hotellerie, der Gastronomie und dem Gesundheitswesen optimiert sind.
Nachhaltiges Wirtschaften und gesellschaftliche Verantwortung sind fest in der Unternehmensstrategie ihres Unternehmens verankert. Welche Bedeutung hat Corporate Social Responsibility für Dibella und welcher CSR-Managementansatz wird verfolgt?
Die Dibella-Firmengruppe hat sich die Bereitstellung von funktionalen und qualitativ hochwertigen Objekttextilien zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis zum Ziel gesetzt. Die im Unternehmensleitbild stark verankerte Langlebigkeit der Produkte spiegelt sich im Slogan „longlife textile“ des Unternehmenslogos wieder. Die Festlegung der Produktionsparameter und deren Überwachung in allen Fertigungsschritten garantiert die Einhaltung der Warengüte, die die Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaften aller beteiligten Partner ist. Darüber hinaus bedeutet Nachhaltigkeit für die Dibella-Firmengruppe die Achtung und Einhaltung ökologischer und kulturell-gesellschaftlicher Grundsätze.
Bei Dibella sehen wir unsere Verantwortung für nachhaltiges Handeln auf folgenden Eben
- gegenüber unseren Kunden
- gegenüber unseren Produzenten und Lieferanten
- gegenüber unseren Mitarbeitern
- gegenüber der Umwelt und Gesellschaft
Die Geschäftsleitung und Gesellschafter bekennen sich zu nachhaltigem Wirtschaften. Das Leitbild des nachhaltigen Wirtschaftens haben wir für die betriebliche Praxis mit konkreten Kriterien und Anleitungen besetzt. Die gesellschaftliche Verantwortung ist in organisationspolitischen Vorgaben, der Organisationskultur, der Unternehmensstrategie, Strukturen und Arbeitsabläufen festgeschrieben. Unser Ziel ist es in allen Bereichen der Unternehmenstätigkeit nachhaltiges Handeln einzufordern und dies mit eigenem Handeln zu untermauern.
Dibella ist das erste Unternehmen Ihrer Branche, das bis jetzt in den Bereichen biologisch angebaute Baumwolle und Fairtrade expandiert. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und mit welchen Herausforderungen werden Sie konfrontiert?
Bis 2015 wollen wir einen 10%igen Umsatzanteil aus nachhaltig hergestellten Textilien erreichen. Außerdem möchten wir unsere Branche über die Möglichkeiten informieren, Artikel bereits heute ohne Probleme nachhaltig beschaffen zu können und die gesamte Brandbreite der nachhaltigen Beschaffung zu erläutern. Zudem klären wir unsere Kunden über die positiven Folgen einer nachhaltigen Beschaffung auf. Fair gehandelte Bio-Textilien sind z.Zt. teurer als konventionelle. Oft wird argumentiert, dass der Kunde nicht bereit ist, einen höheren Preis für diese Produkte zu zahlen. Allerdings sehen wir eine zunehmende Zahl an verantwortungsvollen Einkäufern, die nachhaltig beschaffen möchten, auch wenn diese Einkäufer noch ein Nischendasein fristen. Als Herausforderung sehen wir es die Preisdiskussion in eine neue Richtung zu lenken. Es sollten die sozialen und ökologischen Vorteile beim Kauf dieser Produkte dargestellt werden, auch oder gerade weil diese mehr kosten.
Dibella setzt in vielen Bereichen stark auf Kooperation – sowohl mit anderen Unternehmen wie z.B. Hotels und Wäschereien, als aber auch in Netzwerken wie z.B. dem Global Compact, dem UPJ-Netzwerk oder dem CSR Regio.Net Ruhrgebiet. Welche Bedeutung haben Kooperationen für Sie?
Als KMU ohne eigene CSR Abteilung lernen wir in den Netzwerken von anderen Unternehmen und bringen von jedem Treffen/Meeting neue Impulse mit in unseren Betrieb. Dabei ist es sehr hilfreich mit anderen Partnern, die sich auf den gleichen nachhaltigen Weg gemacht haben, zu kooperieren und sich gegenseitig auszutauschen. Auch das CSR Regio.Net bietet hier sehr gute Diskussion/Lernmöglichkeiten in der eigenen Region.
Die Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften zeigt sich bei Dibella nicht nur in Bezug auf die eigenen Produkte und externe Kriterien wie Zertifizierungen und Zulieferer, sondern auch intern mit verschiedenen Maßnahmen und Projekten. Was sind aus Ihrer Sicht die drei „Highlights“, die Dibella in der letzten Zeit intern umgesetzt hat z.B. in den Bereichen Mitarbeiter, Umweltmanagement oder Gemeinwesen?
Während der Erstellung unseres Nachhaltigkeitsberichts, die sich an der ISO 26000 orientiert hat, wurden Defizite in der Weiterbildung der Mitarbeiter festgestellt. So wurden im Laufe des Jahres einige Aktivitäten angestoßen, die zu einer wahren Weiterbildungseuphorie der MA führte.
So haben z.B. 9 Mitarbeiter an einer halbjährigen Weiterbildung teilgenommen, die Freitagnachmittag von 16.30-21.30 Uhr stattfand! 5 Mitarbeiter haben mit sehr gutem Erfolg und 3 Mitarbeiter mit gutem Erfolg teilgenommen. Im Bereich des Umweltmanagements haben wir unseren Bürobedarf komplett auf eine nachhaltige Beschaffung umgestellt und kooperieren hier mit der MEMO AG, die uns auch bei vielen Produkten berät. Im Jahr 2011 haben wir unseren Stromeinkauf zudem auf 100% Ökostrom umgestellt. Unsere durch Flug,- u. Autofahrten verursachten Emissionen werden zu 100% durch “atmosfair“ kompensiert. Der Postversand erfolgt nun zu 100% “Go Green“. Außerdem konnten wir unseren lokalen Drucker dazu bewegen, sich FSC zertifizieren zu lassen. Ebenso konnten wir einen kleinen asiatischen Familienbetrieb dazu bewegen, sich nach der SA8000 zertifizieren zu lassen.
Dibella ist ein relativ kleines Unternehmens und trotzdem lassen Sie Ihre Produkte nach den strengsten Kriterien zertifizieren, gehen CSR im Unternehmen systematisch an und veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht. Welche Tipps können Sie anderen mittelständischen Unternehmen, die Verantwortung in ihren Betrieben voranbringen wollen, mit auf den Weg geben?
Als kleines Unternehmen sind die personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen, die die CSR Strategie betreffen, begrenzt. Am Anfang einer CSR Strategie stehen Sie einer unüberschaubaren Fragenliste gegenüber und vieles kann dabei abschreckend wirken, sich tatsächlich auf den Weg nachhaltigen Wirkens zu machen. Daher ist das “netzwerken“ unabdingbar. Speziell die CSR Regio.Net Plattform halte ich für CSR Beginner und KMUs als lehrreiches Netzwerk, das in Tagesworkshop CSR Handlungsfelder bearbeitet und mit praxisnahen Beispielen belegt.

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