Joblinge: Kooperationsprojekt schafft Chancen für arbeitslose Jugendliche

13. Juli 2010

Die soziale Kluft in Deutschland wächst: Der Hochlohnstandort kämpft mit einer steigenden Anzahl an Geringqualifizierten, denen der Zugang zum Arbeitsmarkt verschlossen bleibt. Jeder zweite Hauptschüler hat laut Statistik auch ein Jahr nach Schulende noch keinen Ausbildungsplatz. Die Initiative "Joblinge" will diesen Jugendlichen eine Perspektive bieten - mit einem Ansatz, der das Engagement von Unternehmen, öffentlicher Hand, gemeinnützigen und privaten Partnern zusammen bringt.

Ziel von "Joblinge" ist es, gering qualifizierten jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren den Anschluss an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Für die Aufnahme in das rund sechsmonatige Programm kommt es nicht auf den Schulabschluss an - sondern auf Motivation und die Bereitschaft, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Diese Bereitschaft demonstrieren die Jugendlichen noch vor Programmbeginn - in der Auswahlphase, indem sie in der Gruppe für einige Tage ehrenamtlich in einem gemeinnützigen Projekt mitarbeiten. In dieser Zeit können sie sich gegenseitig und auch den "Joblinge"-Ansatz näher kennen lernen. Wer dabei zeigt, dass er/sie bereit ist, für die eigene berufliche Zukunft Initiative zu ergreifen, wird in das Programm aufgenommen.

Ab der zweiten Phase wird jede/r Jugendliche von einem ehrenamtlichen Mentor / einer Mentorin begleitet, die/der ihm mit Rat und Tat auch in schwierigen Phasen zur Seite steht. Die Joblinge arbeiten in kleinen Gruppen an praxisorientierten Projekten und trainieren dabei wichtige Kompetenzen wie Kommunikation, Konfliktverhalten, Teamarbeit oder auch Selbstorganisation.

Darauf folgt die mehrwöchige Praxisphase, in der die Jugendlichen - immer unterstützt von den hauptamtlichen "Joblinge"-Mitarbeitern und von ihrem Mentor - erste Berufserfahrungen sammeln und im Arbeitsalltag ihre sozialen Kompetenzen schulen. Begleitende Trainings und ein ergänzendes Kultur- und Sportangebot dienen der Verfestigung der erworbenen Fähigkeiten und geben den Joblingen die Möglichkeit, verborgene Talente zu entdecken und als Gruppe gestärkt zu werden.

In der anschließenden Probephase folgt ein weiterer Praxiseinsatz in einem der Partnerbetriebe, der die Jugendlichen auf den Einsatz in ihrem gewählten Berufsfeld vorbereiten soll. Sind die Voraussetzungen für eine weitere Zusammenarbeit aus Sicht des Unternehmens und des Jugendlichen gegeben, erhält der Jobling nach der Probephase einen Ausbildungs- oder Anstellungsvertrag. Da die Betriebe bei diesem letzten Praktikum konkrete Optionen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Aussicht stellen, kann sich jede/r Jugendliche diesen Anschluss selbst erarbeiten, indem er/sie die gemeinsam definierten Anforderungen erfüllt.

Alle Joblinge erhalten über die gesamte Programmdauer von ihren Mentoren, den hauptamtlichen "Joblinge"-Mitarbeitern und den Kooperationspartnern eine individuelle Unterstützung - und eine reelle Chance auf eine berufliche Perspektive.

Entwickelt und ins Leben gerufen wurde "Joblinge" 2007 gemeinsam von der der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG und der Boston Consulting Group. Unterstützt wurden die Initiatoren dabei von unterschiedlichen Akteuren und Institutionen aus Wirtschaft, Bildung, Politik, Wissenschaft und drittem Sektor.

In Zwiesel (Bayerischer Wald) und München wurde das Konzept zwei Jahre lang erprobt und etwa 70% der Teilnehmer in den Arbeitsmarkt vermittelt. "Joblinge" wird nun als Social Franchise-Projekt auf weitere Standorte in Deutschland übertragen. Lokale Partnernetzwerke können das Konzept nutzen und in ihrer Stadt umsetzen. Unterstützt werden sie dabei von der gemeinnützigen "Joblinge" Franchisegeberorganisation, die von beiden Initiatoren gegründet und von der Boston Consulting Group im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements pro bono geleitet wird.

Der Berliner Joblinge Standort ist im Juni 2010 mit den ersten 20 TeilnehmerInnen gestartet und will pro Jahr rund 80 Jugendliche aufnehmen.

Auch in Berlin setzt "Joblinge" auf das lokale Engagement und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure: Neben sechs Gründungsaktionären der Joblinge gemeinnützige Aktiengesellschaft Berlin - Arbeitgeberverband Nordostchemie e.V., BMW AG, GRG Services Group, Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Landesbezirk Nordost, Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. und The Boston Consulting Group -, die das Startkapital stellen, unterstützen bereits mehr als 30 Berliner Unternehmen, Institutionen und Organisationen die Initiative. Diese Kooperationspartner bieten Praktika an und stellen Ausbildungsplätze zur Verfügung, stellen Mitarbeiter als Mentoren oder für Trainings frei und unterstützen die Joblinge gAG Berlin finanziell, durch Sachspenden und mit Infrastruktur. Wichtiger Finanzierungspartner ist in Berlin zudem die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Soziales.


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