Guter Rat vor Ort – Juristen beraten pro bono

16. Dezember 2009

"Guter Rat vor Ort" Unter diesem Motto stellen Rechtsanwälte in dem von der BürgerStiftung Hamburg initiierten Projekt ihr Fachwissen unentgeltlich zur Verfügung. In vier Hamburger Stadtteilen mit hohem Anteil an Sozialhilfeempfängern, Arbeitslosen und Migranten geben sie fachkundigen Rat – ehrenamtlich. Der Sozialdienst Katholischer Frauen betreut zwei dieser Standorte.

Grundidee des Projektes ist es, die Beratung dort anzubieten, wo die Bewohner sich in ihrer vertrauten Umgebung sicher fühlen. Einmal pro Woche machen die Juristen sich auf den Weg - z.B. in die Pastoratsräume der St. Pauli Kirchengemeinde oder ins DRK Zentrum am Osdorfer Born. An allen Standorten steht ein Pool von jeweils ca. 10-15 Juristen zur Verfügung, die sich abwechseln.

Das Angebot für die unentgeltliche Erstberatung richtet sich an Menschen, die nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen, um sich rechtlichen Beistand zu holen, und die Scheu haben, sich an Behörden zu wenden. Das Beratungsgespräch, das vertraulich behandelt wird, dient als Orientierung und Anschub zur Problemlösung. Auf Wunsch können die Ratsuchenden auch anonym bleiben.

Häufig geht es um Beratung bei Schulden, Mietangelegenheiten, Sorgerechtsfragen oder Betreuung Angehöriger. Manchmal sind die Berater auch nur gefragt, einen Brief mit zu entwerfen oder ein Telefonat zu führen. In den meisten Fällen genügt ein einzelnes Gespräch, um weiter zu helfen. Sollte eine regelrechte anwaltliche Vertretung notwendig sein, empfehlen die Juristen eine geeignete Kanzlei.

In erster Linie dient "Guter Rat vor Ort" dazu, Menschen in einer Notlage zu helfen. Doch auch die beratenden Anwälte machen wertvolle Erfahrungen: Kontakte zu Menschen, die in anderen Verhältnissen leben als sie selbst, Einblick in eine Realität, die ihnen bisher verborgen geblieben ist und die Möglichkeit, direkt zur Lösung sozialer Probleme beizutragen.

"Maßstäbe werden gerade gerückt und manche der vermeintlichen Probleme von uns 'Bildungsbürgern' werden durch die Wahrnehmung der Probleme dieser Menschen in wohltuender Weise relativiert.", erklärt Johanna von Hammerstein, Sprecherin des Vorstandes der BürgerStiftung Hamburg. Eine Anwältin habe ihr einmal gesagt: "Ich werde ganz schön geerdet und das tut mir gut."

Die Idee zu "Guter Rat vor Ort" sowie entsprechende Erfahrungen stammen aus Großbritannien. Dort ist es seit Jahren üblich, dass Juristen aus etablierten Anwaltskanzleien einen Teil ihrer Zeit gemeinnützig ("pro bono") in solche Beratungsprojekte investieren.

Die BürgerStiftung Hamburg ist Mitglied im UPJ-Mittlernetzwerk.