Augen auf bei der Karriereplanung: Sünden-Branchen mit hohen Gehältern und sozialer Stigmatisierung

16. Oktober 2018

Ein Job in einer umstrittenen Branche wie Alkohol, Tabak oder Glücksspiel kann sich mit Blick auf das Gehalt lohnen. Eine Studie der Karls-Universität Prag und der Cass Business School London weist überdurchschnittlich hohe Gehälter für Führungskräfte in umstrittenen Unternehmen nach. Die weiteren Karrierechancen leiden aber mitunter erheblich.

Für die Studie wurden 82.625 Gehaltsjahre von 5.775 Personen aus dem Topmanagement in 2.050 Unternehmen analysiert.

Ergebnisse der Studie:

  • Im Durchschnitt liegt das Gehalt von Mitgliedern des Topmanagements in so genanten ‚sin industries‘ 279.000$ bzw. 24% über dem in anderen Branchen.
  • Die erhöhte Vergütung hat jedoch ihren Preis. Die Beschäftigung in Topmanagement einer umstrittenen Branche bringt eine Form sozialer Stigmatisierung mit sich und der soziale Status von Führungskräfte nimmt Schaden. Sie haben weniger Aufsichtsratsmandate in anderen Firmen. Im Durchschnitt ist die Anzahl der Aufsichtsratsmandate um 14% geringer, für Personen aus der Tabakindustrie gar um 35%. Zudem ist es für Topmanager aus umstrittenen Branchen unwahrscheinlicher einen neuen Job zu finden, die Jobsuche dauert länger und ist in der Regel mit Gehaltseinbussen verbunden.
  • Bei umstrittenen Unternehmen, die durch wohltätige Aktivitäten ihr Image der Unternehmen in der Öffentlichkeit verbessern, sind die Gehaltskompensationen in der Regel geringer.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Erkenntnisse auch auf Unternehmen übertragbar sind, die soziale Normen im Hinblick auf die Achtung der Menschenrechte, die betrieblichen Umweltauswirkungen, die Interaktion mit dem lokalen Gemeinwesen und die Produktsicherheit verletzen.


Weiteres zum Thema

Novak, Jiri & Bilinski, Pavel (2018): Social stigma and executive compensation. Journal of Banking and Finance.

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