Studie: Deutsche Unternehmen vor der CSR-Berichtspflicht

04. April 2018

In der Studie „Deutsche Unternehmen vor der CSR-Berichtspflicht – Monitoring zur nichtfinanziellen Berichterstattung“ untersuchen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensinitiative Future, wie künftig berichtspflichtige Unternehmen im Jahr 2016 über die durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz geforderten Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten berichtet haben. Die Untersuchung zeigt, dass viele Unternehmen gemessen an ihren Berichtsaktivitäten des letzten Jahres deutlich nachlegen müssen.

Ab diesem Jahr sind bestimmte große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen dazu verpflichtet, darüber zu informieren, welchen Beitrag sie etwa zu Umwelt- und Klimaschutz leisten oder wie sie die Achtung der Menschenrechte entlang ihrer Liefer- und Wertschöpfungsketten sicherstellen. Unter das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, beziehungsweise die CSR-Berichtspflicht, die diese und weitere Informationspflichten vorsieht, fallen voraussichtlich 522 große Unternehmen in Deutschland. Im Rahmen des Projekts wurden die Berichte dieser 522 künftig voraussichtlich berichtspflichtigen Unternehmen, die bis zum Stichtag 30.06.2017 verfügbar waren, gesichtet und standardisiert beurteilt.

Ergebnisse der Studie:

  • 63 Prozent der gesichteten Berichte waren Lageberichte, gefolgt von Nachhaltigkeitsberichten (19 Prozent), integrierten Berichten (4 Prozent) und DNK-Entsprechenserklärungen (1 Prozent). Laut der Studie wurden insbesondere in den Lageberichten keine oder nur in Ansätzen Angaben zu den durch die CSR-Berichtspflicht geforderten nichtfinanziellen Aspekten gemacht. Unternehmen hingegen, die eigenständige Nachhaltigkeits- oder integrierte Berichte veröffentlichten, thematisierten fast alle im Gesetz genannten Aspekte – wenngleich Umfang und Tiefe der Angaben auch in diesen Fällen variierten.
  • 8 Prozent der 522 Unternehmen berichten zu jedem einzelnen der fünf nichtfinanziellen Aspekte (Umwelt-, Sozial-und Arbeitnehmerbelange, Bekämpfung von Korruption und Bestechung, Achtung der Menschenrechte) umfassend über entsprechende Konzepte, Due-Diligence-Prozesse und Ergebnisse. In 68 Prozent der Berichte werden die Ansätze und deren Ergebnisse zumindest zu einem der fünf Aspekte überhaupt nicht behandelt. Insbesondere Informationen zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung wurde in den Berichten von einer Mehrheit nicht behandelt.
  • Zur Berichtspflicht zählen auch Angaben zu nichtfinanziellen Risiken, die sich aus der eigenen Geschäftstätigkeit sowie den Geschäftsbeziehungen, Produkten oder Dienstleistungen des berichtenden Unternehmens ergeben. Die Studienergebnisse zeigen, dass in weniger als der Hälfte der gesichteten Berichte auf solche Risiken eingegangen wurde. 57 Prozent der Unternehmen machten diesbezüglich gar keine Angaben.
  • 122 (22 Prozent) Unternehmen verwiesen auf Rahmenwerke, die bei der Berichterstellung herangezogen wurden. Dies betraf zum großen Teil Nachhaltigkeitsberichte, DNK-Entsprechenserklärungen, und Integrierte Berichte. Nur in fünf Prozent der gesichteten Lageberichte wurde sich auf externe Rahmenwerke bezogen. 103 Unternehmen dieser 122 Unternehmen nannte hier die Verwendung des GRI 4 der Global Reporting Initiative 2013.

Herausgeber: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensinitiative Future mit Förderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.


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