Das Geschäft der Zwangsarbeit in globalen landwirtschaftlichen Lieferkette

06. Juli 2018

Der Bericht stellt die Ergebnisse des vom britischen Economic and Social Research Council finanzierten und an der University of Sheffield angesiedelten Projektes "Global Business of Forced Labour" vor. Die Untersuchung analysiert die Muster von Ausbeutung und Zwangsarbeit in der Kakao- und Teelieferkette sowie die Wirksamkeit von Initiativen der Wirtschaft und der Regierung bei ihrer Bekämpfung.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden Tiefeninterviews mit über 120 Tee- und Kakaoarbeitern geführt. Darüber hinaus wurde eine Befragung von über 1.000 Arbeitern aus der Kakaoindustrie in Ghana und der Teeindustrie in Indien ausgewertet sowie über 100 Interviews mit nationalen und internationalen Wirtschaftsakteuren wie Managern von Tee- und Kakaoplantagen, Einkäufern, großen multinationale Getränke- und Süßwarenunternehmen und Experten für soziale Verantwortung von Unternehmen geführt.

Hauptergebnisse der Untersuchung:

  • Die Studie zeigt, dass die untersuchten Arbeitgeber in der Teeindustrie systematisch die Löhne unterbezahlen und die gesetzlich vorgeschriebenen Grundversorgungsleistungen wie Trinkwasser und Toiletten unterschreiten. So haben 40 Prozent der befragten Arbeiter in der Teeindustrie ungerechtfertigte Abzüge von ihren Löhnen erlitten und 47 Prozent haben keinen Zugang zu trinkbarem Wasser. Auch in der Kakaoindustrie senken Arbeitgeber die Kosten, indem sie Löhne unterbezahlen und sogenannte Kreditknechtschaft schaffen. So haben 23 Prozent der befragten Arbeiter in der Kakaoindustrie Arbeit geleistet, für die sie nicht bezahlt wurden und 60% haben sich verschuldet. Obwohl Schokoladen- und Teefirmen hochprofitabel sind, leben die Arbeiter am Ursprung der Lieferketten weit unter der Armutsgrenze.
  • Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass Ethische Zertifizierungssysteme bei der Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitskräften und der Zwangsarbeit in den Lieferketten für Tee und Kakao weitgehend wirkungslos sind. Einige der schlimmsten Fälle von Ausbeutung, die im Rahmen der Forschung dokumentiert wurden, traten auf ethisch zertifizierten Plantagen auf. Die interviewten Arbeitnehmer erklärten darüber hinaus, dass sie angewiesen werden, ihre Arbeitsverfahren (z.B. in Bezug auf Sicherheitsausrüstung) so zu ändern, dass sie bei jährlichen Audits durch die Zertifizierer den Normen entsprechen. 95 Prozent der Kakaoarbeiter in der Studie wussten nicht, ob der Betrieb, für den sie arbeiteten, zertifiziert war oder nicht.

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