Rückblick Praxistag "Lieferketten verantwortlich gestalten – Über Nachhaltigkeit berichten" in Frankfurt

25. April 2016

Der Praxistag für mittelständische Unternehmen "Lieferketten verantwortlich gestalten – Über Nachhaltigkeit berichten" am 21. April 2016 in Frankfurt informierte über die wichtigsten Hintergründe des Themas und bot rund 100 Teilnehmenden aus der Unternehmenspraxis einen Rahmen für den fachlichen Austausch.

Zum Hintergrund: Im Herbst letzten Jahres vereinbarten die G7-Staats- und Regierungschefs in Elmau wichtige Schritte zur Durchsetzung weltweiter Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards. Ab dem Jahr 2017 verpflichtet zudem eine EU-Richtlinie bestimmte Unternehmen, nicht-finanzielle Informationen zu sozialen und ökologischen Auswirkungen im Rahmen der Lageberichterstattung offenzulegen. Angesichts dieser Entwicklungen führen UPJ und econsense mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in mehreren Bundesländern regionale Praxistage durch. Dabei werden die wichtigsten Hintergründe und aktuellen Entwicklungen des Themas vorgestellt, vor allem aber ein Forum für den fachlichen Austausch von Vertretern aus der Unternehmenspraxis geboten.

Staatssekretärin Yasmin Fahimi, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sagte in ihrer Eröffnungsrede: "Mit dieser Praxisreihe wollen wir Unternehmer unterstützen und ermutigen, in einen offenen Dialog und Austausch über die verschiedenen Ebenen der Nachhaltigkeitskette zu treten und voneinander und miteinander zu lernen. So kann die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung auch für kleine und mittlere Unternehmen zu einer Erfolgsstory werden: wenn sie in der Unternehmenskultur gelebt, in der Geschäftsstrategie verankert und nach außen transparent kommuniziert wird."

Thorsten Pinkepank, Director Sustainability Relations Sustainability Strategy, BASF SE, unterstrich in seiner Keynote die Bedeutung der Zusammenarbeit in Liefer- und Wertschöpfungsketten: "Für Unternehmen gibt es viele gute Gründe für ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement. Schon allein der betriebliche Nutzen legt nahe, bei unternehmerischer Nachhaltigkeit von Investitionen statt von Kosten zu sprechen. Bei aller Einigkeit über die Inhalte, liegt eine zentrale Herausforderung der Umsetzung darin, die Verantwortung von Staat und Unternehmen klar zu definieren. BASF hat weltweit mehr als 75.000 Lieferanten und wir arbeiten unter anderem mit Risiko-Matrizen zur Identifizierung von Lieferanten mit einem hohen Nachhaltigkeitsrisiko. Aktuelle Sektorinitiativen, wie zum Beispiel Together for Sustainability (TfS), sind ein zielführender Weg, denn sektorspezifische Auswirkungen lassen sich gemeinsam am effektivsten bearbeiten. Die Zusammenarbeit in Netzwerken ist daher entscheidend."

In vier Workshops vertieften die Teilnehmenden im Anschluss Chancen, Herausforderungen und praktische Umsetzungsfragen verantwortungsvoller und transparenter Lieferketten.

Workshop A: Erste Schritte – Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in mittelständischen Unternehmen

Christopher Haas, Geschäftsführer, Haas & Co. Magnettechnik GmbH, erläuterte: "Als zulieferndes Unternehmen passen wir uns an Code of Conducts unserer Kunden an. Trotz unserer umfangreichen Nachhaltigkeitsbemühungen entscheidet vor allem bei unseren großen Kunden im Einkauf am Ende oftmals aber trotzdem der Preis. Zudem gibt es einen Punkt gibt, an dem wir als kleines Unternehmen nicht mehr weiterkommen. Auf die Rohstoffgewinnung können wir kaum Einfluss mehr nehmen. Dazu brauchen wir die Umsetzung internationaler Standards in den Abbauländern durch die Politik."

Britta Sadoun, Senior Referentin Nachhaltigkeitsmanagement, Governance, Risk, Compliance; Corporate Secretary, K+S Aktiengesellschaft, betonte: "Wir als internationales Rohstoffunternehmen, die wir am Anfang der Lieferkette stehe, müssen belegen und beweisen, dass unser Abbau sauber ist. Die Kundeninteressen werden dahingehend immer stärker. Branchenlösungen und gemeinsame Audits sind ein Schritt in die richtige Richtung, reichen alleine aber nicht aus, denn wir haben Kunden aus den verschiedensten Branchen. Ein Weg zu mehr Transparenz sind deshalb auch enge Partnerschaften und langfristige Kooperation."

Download Präsentationen Workshop A Erste Schritte - Nachhaltiges Lieferantenmanagement in mittelständischen Unternehmen

Workshop B: Internationale Arbeits- und Sozialstandards

Lorenz Berzau, Koordinator der deutschen Kontaktgruppe, Business Social Compliance Initiative (BSCI), erklärte: "Die Diskussionen haben wieder gezeigt, dass das Interesse an dem Thema hoch ist und die Relevanz des Themas immer wichtiger wird. Es wurde aber m.E. auch deutlich, dass nach wie vor Orientierungshilfen benötigt werden, die Unternehmen, die das Thema CSR in der Lieferkette angehen wollen, unterstützen. Die Existenz verschiedener Systeme und Instrumente und deren Bewertung sind nach wie vor eine Herausforderung für viele, die sich mit dem Thema beschäftigen."

Maria Schaad, Senior Manager Corporate Responsibility, Merck KGaA, sagte: "Ein wichtiges Element unseres Lieferantenmanagements ist die Einführung und Kontrolle von CR-Standards bei unseren Lieferanten – sei es über Selbstauskünfte unserer Lieferanten oder Audits bei den Lieferanten. Ziel des nachhaltigen Lieferantenmanagements bei Merck ist aber auch, bei den Lieferanten für Verständnis für unsere Anforderungen zu sorgen. In Indien setzen wir uns für den fairen Abbau von Glimmer ein. Wir haben ein Büro in der Region eingerichtet; unsere Mitarbeiter dort stehen in regelmäßigem Kontakt mit unseren Lieferanten und haben sie umfassend über unsere Werte und unsere Erwartungen an die einzuhaltenden Sozial- und Umweltstandards informiert. Außerdem arbeiten wir mit ortsansässigen Organisationen zusammen, die die Umsetzung unserer Anforderungen überprüfen."

Matthias Schäpers, Corporate Sustainability Manager, SMA Solar Technology AG, erläuterte: "Die Einhaltung internationaler Sozial- und Umweltstandards gehört bei SMA Technology zum Selbstverständnis. Wir führten bereits 2010 einen Code of Conduct auf Grundlage der Konventionen der ILO bei unseren Lieferanten ein. Dieser ist ein Bestandteil der Lieferantenauskünfte, Einkäufer und interne Auditoren sollten hier kontinuierlich sensibilisiert und geschult werden."

Download Präsentationen Workshop B Internationale Arbeits- und Sozialstandards

Workshop C: Praktische Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen durch den Einkauf

Prof. Dr. Martin Müller, Stiftungsprofessor Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften, Universität Ulm, stellte heraus: "Sicher ist, dass das Thema des nachhaltigen Lieferkettenmanagements zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Es herrscht jedoch nach wie vor ein Gap zwischen klassischem Einkauf und Nachhaltigkeitsanforderungen. Nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei der öffentlichen Vergabe. Die entscheidende Frage ist, wie es gelingen kann, die Einkäufer mitzunehmen. Ein Weg ist, die Beschäftigten im Einkauf über die Beschaffungsrisiken und die Fragilität der Lieferkette aufzuklären. Darüber kann man das ganze Thema sehr gut im Unternehmensalltag verankern."

Dirk Baykal, Projektmanager / CSR-Koordinator, CWS-boco Supply Chain Management GmbH, sagte: "Es muss ein Paradigmenwechsel stattfinden: Weg vom billigsten Preis hin zur ganzheitlichen Betrachtung. Langfristige und vertrauensvolle Lieferantenbeziehungen helfen Transparenz zu schaffen und die Situation entlang der Lieferkette zu verbessern. Es geht hier unter anderem um Zuhören, gegenseitiges Lernen und den Austausch von Erwartungen und Erfahrungen. Zudem denke ich, dass Unternehmen eine Vorreiterrolle haben sollten. Hätten wir z. B. darauf gewartet, dass unsere Kunden Fairtrade-Produkte fordern, so hätten wir heute noch keine in unserem Sortiment."

Michael Congdon, Referent Nachhaltigkeitsmanagement, ENTEGA AG, erklärte: "Es ist natürlich so: Preis, Qualität und Zeit spielen bei den Einkaufskriterien immer eine Rolle. Wir haben aber unser System um eine Nachhaltigkeitsampel ergänzt, die in unsere Lieferantenbewertung mit einbezogen wird. Wir betrachten die Implementierung einer nachhaltigen Beschaffung als Teil unseres integrierten Risikomanagements."

Download Präsentationen Workshop C Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen durch den Einkauf

Die Präsentation von Prof. Dr. Müller schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne per E-Mail.

Workshop D: Offenlegung nicht-finanzieller Informationen und Berichterstattung über soziale und ökologische Auswirkungen entlang der Lieferkette

Dr. Eckhard Koch, Senior Advisor Chemie³, Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), sagte: "Reporting ist keine Einbahnstraße - Transparenz bietet Chancen für Unternehmen, z.B. die Möglichkeit Ereignisse im Unternehmen aktiv zu kommentieren und auch Feedback von unterschiedlichen Stakeholder zu bekommen. Dabei muss aber insbesondere bei mittelständischen Unternehmen der Aufwand und Nutzen in Relation stehen."

Stephanie Raabe, Sustainability, SAP SE, betonte: "Transparenz gegenüber Investoren, Kunden und Mitarbeitern spielt bei SAP eine wichtige Rolle. Transparenz und Geschäftserfolg stellen keinen Gegensatz dar, im Gegenteil: durch innovative Berichterstattung kann sich ein Unternehmen im Markt als Thought Leader positionieren."

Johanna Jung, Sustainability Manager, Nölken Hygiene Products GmbH, sagte: "Die Initialzündung für einen Nachhaltigkeitsbericht von Nölken als mittelständisches Unternehmen war die verstärkte Nachfrage von Kunden, insbesondere der Handel. Inzwischen kommunizieren wir mit unserem Nachhaltigkeitsbericht erfolgreich an Kunden und unsere eigenen Mitarbeiter."

Download Präsentationen Workshop D Offenlegung nicht-finanzieller Informationen und Berichterstattung über soziale und ökologische Auswirkungen entlang der Lieferkette

Veranstaltungspartner des Praxistage in Frankfurt waren das Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die IHK Frankfurt am Main und die IHK Wiesbaden.

Der nächste Praxistag findet am 30. Juni in in Berlin statt. Weitere Praxistage folgen zudem in der zweiten Jahreshälfte.