Öko-Institut: Freiwilliges CSR-Engagement von Unternehmen reicht nicht aus

18. September 2013

Das freiwillige CSR-Engagement europäischer Unternehmen bewirkt erkennbare positive Effekte auf Nachhaltigkeit in den Bereichen Arbeitsplatzqualität und Umwelt. Jedoch reichen die Maßnahmen der Unternehmen nicht aus, um die Nachhaltigkeitsziele der EU zu erreichen, so eine gestern vorgestellte Studie des Öko-Instituts. Die Politik müsse stärker regulatorisch eingreifen.

"Um feststellen zu können, ob in den genannten Bereichen tatsächlich Verbesserungen erreicht werden konnten, haben wir quantitative und qualitative Daten von Unternehmen der letzten Jahre verglichen, die als Indikatoren für Nachhaltigkeit relevant sind. Zu ihnen zählen beispielsweise deren CO2-Emissionen oder deren Rohstoffverbrauch", erklärt Christoph Brunn, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Synthese der empirischen Ergebnisse am Öko-Institut. "Ein Fazit aus der Studie kann lauten: Freiwilliges CSR ist gut und wichtig, aber eben nicht ausreichend", folgert er.

IMPACT ist das bislang europaweit größte Forschungsprojekt zum Thema CSR. Es findet am 17. und 18. September in Brüssel seinen Abschluss. Ziel des Projektes war es, herauszufinden, ob CSR-Maßnahmen von Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, die EU-Ziele der Strategien von Göteborg und Lissabon zu erreichen: Wachstum, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, hohe Arbeitsplatzqualität, sowie ökologische Nachhaltigkeit. Eine eindeutige Antwort, ob CSR auch zu einem ökonomischen Gewinn führt, kann auch nach Abschluss der Studie nicht pauschal, sondern nur für jedes Nachhaltigkeitsthema einzeln gegeben werden, so das Öko-Institut.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Fast alle kleinen, mittleren und großen Unternehmen geben an, eigene CSR-Aktivitäten zu verfolgen und ein Bewusstsein für die meisten der in einer Befragung vorgeschlagenen Nachhaltigkeitsthemen zu besitzen. Lediglich das Thema Landnutzung, eines von 48 Themen, wurde nicht als nachhaltigkeitsrelevant erachtet. Gerade beim Einzelhandelssektor, der mit seiner Vielzahl an Märkten maßgeblichen Einfluss auf die Landnutzung hat, steht das Thema nicht auf der Agenda.

Dieses starke Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen führe allerdings nicht immer dazu, dass Unternehmen auch aktiv werden. IMPACT zeige, dass dies bei sechs der Themen nicht der Fall war. Ein Beispiel: Die Problematiken, die mit dem hohen Bedarf an kritischen Rohstoffen einhergehen, sind zwar den Verantwortlichen in der Automobilindustrie durchaus bewusst. Dennoch verneinten die Befragten, hier aktiv gegenzusteuern. Die gleiche Mechanik konnte zum Thema Wasserbrauch in der Bekleidungsindustrie festgestellt werden.

"Wir sehen, dass sich Unternehmen bemühen, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen", fasst Brunn zusammen. "Es ist aber unerlässlich, dass sie sich dort stark machen, wo sie die größte, tatsächliche Wirkung, gerade für ihren Industriezweig, erzielen können." Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein "weiter so" keine grundlegende Wende hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften bringen wird, so die Studie. Das Öko-Institut fordert deswegen die Politik auf, das verfügbare Instrumentarium besser auszunutzen, regulatorisch stärker einzugreifen und wenn nötig auch vor härteren Maßnahmen wie Mindeststandards oder Verboten nicht zurückzuschrecken.